Zahlen, die die Kommunalpolitik im Interesse unserer Kommune nicht weiterhin ignorieren darf
Kürzlich erschien in der Märkischen Allgemeinen Zeitung ein Beitrag des Journalisten Oliver Fischer mit dem folgenden Titel: „Wo Neubau zum Luxus wird“ (Märkische Allgemeine Zeitung, 12./13.09.2026, S. 15). Eingeleitet wird er mit den Worten: „Wer in Königs Wusterhausen eine Wohnung sucht, hat die Qual der Wahl. Allein Immobilienscout bietet 119 Wohnungen im Stadtgebiet an.“ (S. 15) Da frage auch ich: Ist das der viel beklagte Wohnungsmangel in Königs Wusterhausen, der als Begründung für fortgesetztes Bauen von Neubauwohnungen in unserer Kommune herhalten muss? Wie sieht er in Königs Wusterhausen tatsächlich aus?
Der Artikel verdient aus meiner Sicht von uns Bürgern, aber erst recht von Stadtverordneten besondere Aufmerksamkeit; denn er leistet etwas, was nach meiner Auffassung die Stadtverwaltung längst hätte getan haben müssen, was sie jedoch – zumindest öffentlich – bisher beharrlich vermeidet: die Hinwendung zum inzwischen unübersehbaren Leerstand an Neubauwohnungen in Königs Wusterhausen und zu Ursachen dieser Situation.
Daran müsste doch die Stadtverwaltung ein ureigenes Interesse haben, ebenso jeder Stadtverordnete selbst. Denn eine solide städtebauliche Entwicklung mit Entscheidungen über Bebauungspläne kleineren oder größeren Umfanges braucht auch eine annähernd solide analytische Basis, nicht vollmundige Ankündigungen, Absichtserklärungen, Verheißungen, wonach in der Stadtverordnetenversammlung befürwortete Großneubauprojekte Wohnraum schaffen würden für den Feuerwehrmann, für die Krankenschwester, für die Erzieherin.
Dieses immer wieder kritisierte pauschale Lieblingsargument nicht nur unserer Bürgermeisterin Michaela Wiezorek war und ist allerdings – hier bleiben wir in unserer Kommune – fern der Realität von Königs Wusterhausen. Daran lässt nun auch der Beitrag in der Märkischen Allgemeinen Zeitung, der sich relativ intensiv mit dem Problem befasst und es zudem in brandenburgische Verhältnisse einordnet, keinen Zweifel. Mit Blick auf Königs Wusterhausen lautet sein Tenor: Neubauwohnungen sind stark am Bedarf der hiesigen Bevölkerung vorbeigebaut worden, die „meisten Königs Wusterhausener können die Quadratmetermieten im Neubau gar nicht zahlen“ (S. 15).
Das ist keine wirkliche Überraschung, keine neue Erkenntnis für jene, die das Mantra Bauen, Bauen, Bauen stets als falschen Ansatz gewertet haben, weil er wichtige andere Aspekte ausklammert – dennoch zäh am Leben bleibt. Auch unter Kommunalpolitikern in unserer Kommune.
Gegenwind ist angesichts dieser Situation mehr als nötig. Und Oliver Fischers Beitrag vermag vielleicht ein wenig Gegenwind auf spezifische Weise zu erzeugen; er unterscheidet sich nämlich klar von dem, was in Diskussionen zu Bauvorhaben in kommunalpolitischen Gremien von Königs Wusterhausen häufig üblich ist, auch hinsichtlich Kritik – er verbleibt nicht auf der sprachlichen Ebene, nicht bei Allgemeinplätzen, nicht bei politischen Begründungen, sondern er arbeitet mit ausgewählten Zahlen, stellt Bezüge zwischen ihnen her, Zusammenhänge.
So kann erhellt werden, dass der Leerstand im Bereich Wohnungsneubau sehr wohl auf tiefere Ursachen zurückgeht, die nicht erst seit heute existieren, obwohl sie aktuell teilweise verschärft werden. Nein, in der Verteuerung von Baustoffen mit ihren Ursachen liegt keine ausreichende Erklärung für den Leerstand, so gern sie mancher vermutlich hätte.
Vielmehr erhellt Oliver Fischers Text – die Zahlen zeigen es –, dass Leerstand in Königs Wusterhausen unter skizzierten Bedingungen geradezu vorprogrammiert ist. Legt man die ausgewählten Zahlen zugrunde (tatsächliches Einkommen, erforderliches Einkommen, Durchschnittseinkommen, Miethöhe, Wohnungsgröße, Personenanzahl usw.), zeichnet sich ab, was unter dem Aspekt „Miete“ geht oder nicht, für wen oder für wen nicht. Einfache Mathematik. Das verdeutlicht beispielsweise der folgende Auszug:
„Königs Wusterhausen liegt als Stadt zwar über dem Einkommensniveau vieler anderer brandenburgischer Städte. Dennoch hat nur jeder fünfte Haushalt ein Einkommen von 5000 Euro und mehr. So viel braucht man mindestens, um sich eine familientaugliche Neubauwohnung mit 80 bis 100 Quadratmetern leisten zu können. Eine der günstigen Sorte.
Das Uferquartier der BUWOG ist nicht günstig. Dort kostet eine Vier-Zimmer-Terrassenwohnung mit 104 Quadratmetern 1835 Euro warm. Geht man davon aus, dass die Wohnkosten nur 30 Prozent des Haushaltsnettos ausmachen sollten, ist eine solche Wohnung erst ab einem Einkommen von 6100 Euro bezahlbar. Im Wohngebiet am Darwinbogen wäre schon ein verfügbares Einkommen von 5000 Euro für 98 Quadratmeter ausreichend. Aber nur gerade so.
Solche Wohnungen zielen auf Paare mit ein oder zwei Kindern. Das ist die Gruppe mit den höchsten Einkommen. Singles, Alleinerziehende mit Kindern oder Rentner verdienen deutlich weniger. Speziell für Singles sieht es auf dem Wohnungsmarkt kritischer aus, zumal kleinere Wohnungen im Verhältnis eher teurer sind als größere.
Nur etwa jeder zehnte Alleinstehende könnte mit seinem Einkommen eine kleine Neubauwohnung überhaupt bezahlen. Bei Zweier-Haushalten dürften es je nach Wohnung zwischen zehn und zwanzig Prozent sein.
Bei Familien mit Kindern liegt der Anteil, die sich Neubau leisten könnten, höher. Landesweit hat mehr als die Hälfte der Vierpersonen-Haushalte ein monatliches Einkommen von über 5000 Euro. Theoretisch könnte sich auch in Königs Wusterhausen jede zweite Familie eine Wohnung am Darwinbogen leisten. Gerade dieses Klientel lebt aber häufig in einem Haus und braucht gar keine Mietwohnung.“ (S. 15)
Die Zahlen – ergänzt mit weiteren – belegen, warum ein Leerstand im Neubaubereich unter derartigen Bedingungen fast unvermeidbar ist. Und sie belegen – ähnlich wie Wartelisten der Wohnungsbaugesellschaft von Königs Wusterhausen mit bezahlbaren Wohnungen im dortigen Bestand –, dass dieser Leerstand ein Ausdruck für Bauen stark vorbei am Bedarf eines großen Teils der Bevölkerung ist.
Angesichts dieser Entwicklung scheint mir mehr als bloß ein kurzer kritischer Blick auch auf die künftige Wohnbebauung in Königs Wusterhausen erforderlich zu sein, besonders des Königsparks. Eine tiefergehende Erörterung wird aus meiner Sicht zudem deshalb gebraucht, weil unsere repräsentierfreudige Bürgermeisterin in der Öffentlichkeit wiederholt den Eindruck vermittelt – gewissermaßen über die Köpfe der Stadtverordneten hinweg –, als sei über den Königspark und über seine vorgesehene, sehr umfängliche Wohnbebauung bereits alles entschieden.
Das ist eben formal bisher nicht der Fall; denn es liegt noch immer kein in der Stadtverordnetenversammlung genehmigter, veränderter Bebauungsplan vor. Daran ändert auch die Befragung zum Königspark nichts; hier greift kein Entscheidungsautomatismus. „Das Ergebnis der Befragung ist nicht bindend.“ (Beteiligungssatzung § 4, Absatz 5).
Und auf der Grundlage der Zahlen, wie sie nun Oliver Fischer im Artikel der Märkischen Allgemeinen Zeitung für jedermann sichtbar gemacht hat, sind Stadtverwaltung und Stadtverordnete doch geradezu aufgefordert, sich mit Leerstand im Wohnungsneubau – meines Erachtens unter ihrer Mitwirkung begünstigt – intensiver zu befassen und ihre Entscheidungen zu überdenken. Vielleicht geschieht das auch mit stärkerer Wortmeldung aus der Bevölkerung heraus, die aus verschiedenen Gründen am unübersehbaren Neubauleerstand in Königs Wusterhausen und seiner Fortsetzung kein Interesse haben kann, ihre Bedürfnisse aber in dieser Hinsicht von der Mehrheit der Stadtverordneten nicht ausreichend oder gar nicht vertreten sieht.
Kurze Zusatzbemerkung: Einen wichtigen Fragenkomplex berührt der Artikel der Märkischen Allgemeinen Zeitung leider nicht: Warum können sich Immobilienkonzerne über längere Zeit selbst einen großen Leerstand an Neubauwohnungen leisten? Welche Gesetze wenden sie an, um in dieser Situation keine finanziellen Verluste machen zu müssen? Und was bedeutet das für die Kommunalpolitik in Königs Wusterhausen?