Archiv der Kategorie: THEMENSCHWERPUNKTE

Das große Fressen ist vorbei

11. Oktober 2020

Priska Wollein

Kommentar zum Auftakt der »Regierungskommission zur Lösung des Konfliktes in der Landwirtschaft«
am 5. Oktober 2020

»Klöckner betonte, dass die Wirtschaftlichkeit bei allem Umwelt- und Tierschutz Vorrang haben müsse, und warnte, dass Ökologie allein, die sich nicht rechnet, am Ende zur Aufgabe von Betrieben führen werde.«

Es ist aber kein Kampf von Wirtschaft gegen Ökologie! Sondern es ist ein Kampf des Großkapitals gegen das Kleinkapital. Der selbstständige Beruf des Bauern wurde systematisch von den Alpen bis zur Nordsee eliminiert: er musste aufrüsten, abgeben oder aufgeben.

Es war von unserer Regierung mithin gewollt und jahrzehntelang geduldet, dass Fleisch in Konzernstrukturen »hergestellt« wird – und dies unter Ausnutzung von lebenden, fühlenden, leidenden Tieren.

Wie klingt denn dies in Gottes Ohren, würden wir allein den Sprachgebrauch der Politiker einmal konsequent auf Menschen anwenden? Etwa so: Da fördert die derzeitige Politik mit Milliarden an Steuergeldern die Reproduktion von Menschen und damit eine Bevölkerung, die natürliche Ressourcen übernutzt und dem Klima massiv schadet…? *

Wenn die Ministerin in der Regierungskommission von einem »Ausgleich der Interessen« spricht, dann meint sie »Befriedigung der Großindustriellen«. Schon heute geht die Kluft nicht zwischen »Landwirten« und »Umweltverbänden«, sondern zwischen »Landwirten« und »Industrieller Fleischproduktion«. Letztere wird durch Steuergelder gefördert, letztere hat eine Lobby in Regierungskreisen, letztere gilt es zu »schützen« für Frau Klöckner. Würde man ganz einfach dieses politisch motivierte System abschaffen, hätte man bereits großartige Impulse gesetzt, damit sich Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit durchsetzen können.

Machen wir uns doch nichts mehr vor: Bei der vorhandenen Bevölkerungsdichte (sei es in Europa, in Syrien, in China oder der gesamten Welt) gibt es nur zwei Wege zu einem christlichen, ökologischen und gesunden Miteinander: entweder wir essen quasi kein Fleisch mehr, oder wir schränken unsere eigene Reproduktion weltweit massiv ein! Die Menschheit – und auch wir hier in Deutschland – steckt bereits drin in den Ressourcenkämpfen: Flüchtlingskrise, Handelsabkommen, weltweiter Landkauf sind die Symptome… und stehen nebenbei gesagt in direktem Zusammenhang mit den Problemen der Landwirtschaft!

Das Modell von industriellen Konzernstrukturen mit der Ware »Tier« jedenfalls hat für alle Zukunft ausgedient! Die Schäden, die diese Konzerne in sozialer Hinsicht, in Hinsicht auf die Gefährdung unserer Gesundheit und nicht zuletzt bezüglich des Tierwohls hinterlassen, stehen in KEINEM Verhältnis zur »Wirtschaftlichkeit« einer Frau Klöckner!

* Laut Martin Kaiser, Geschäftsführer von Greenpeace, fördere die derzeitige Landwirtschaftspolitik mit Milliarden an Steuergeldern Monokulturen und Massentierhaltung und damit eine Landwirtschaft, die natürliche Ressourcen übernutzt und dem Klima massiv schadet.

Foto © Priska Wollein: Kuh in ökologischer Freilandhaltung in Irland

Weltmarktführer zieht nach Königs Wusterhausen

2. Oktober 2020

Pressemitteilung der Stadt Königs Wusterhausen

Ein Weltkonzern mit 78.000 Beschäftigten kommt nach Königs Wusterhausen. Die Adolf Würth GmbH & Co. KG wird ihre Hauptniederlassung für die Region Berlin-Brandenburg in den Technologiepark auf dem Funkerberg verlegen.

Diese wird neben einem großen Verkaufsshop das Telefonbackoffice für die gesamte Region Nord/Ost in Deutschland beherbergen. Besonderer Anziehungspunkt wird das Handwerkerzentrum sein, das für vielfältige Weiterbildungsangebote den Firmenkunden und allen Würth-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern zur Verfügung steht.

„Der Standort so nah an der Autobahn 10 ist ideal für uns. Zumal wir mehr Platz benötigen als wir ihn derzeit in Wildau haben. Hier können wir unsere Wünsche sehr gut umsetzen“, erklärte Tom Ziermaier, Vertriebsleiter Regio Nord/Ost, bei einem Vor-Ort-Termin. Etwa 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden in dem Neubau ihren Arbeitsplatz haben.

Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer in ihrem Kerngeschäft, dem Vertrieb von Montage- und Befestigungsmaterial. Sie besteht aktuell aus über 400 Gesellschaften in mehr als 80 Ländern. Im Kerngeschäft umfasst das Verkaufsprogramm für Handwerk und Industrie über 125.000 Produkte: von Schrauben, Schraubenzubehör und Dübeln über Werkzeuge bis hin zu chemisch-technischen Produkten und Arbeitsschutz. Die Gesellschaften des Konzerns ergänzen das Angebot um Produkte für Bau- und Heimwerkermärkte, Elektroinstallationsmaterial, elektronische Bauteile (z. B. Leiterplatten) sowie Finanzdienstleistungen. Sie machen rund 40 Prozent des Umsatzes der Würth-Gruppe aus.

Königs Wusterhausens Bürgermeister, Swen Ennullat, heißt die Adolf Würth GmbH & Co. KG in der Rundfunkstadt willkommen. „Dass ein international agierendes und führendes Unternehmen sich für unseren Technologiepark entschieden hat zeigt, wie attraktiv dieses Gebiet ist. Ich freue mich sehr über diese tolle Nachricht und bin sicher, dass es die richtige Entscheidung für Königs Wusterhausen war.“ Er danke auch der städtischen Gesellschaft EBEG und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Rathaus, die an der Erschließung und Vermarktung der Fläche beteiligt waren.

Der erste Bauabschnitt des Technologieparks Funkerberg ist zu 100 Prozent vermarktet. 14 Unternehmen werden sich auf einer Gesamtfläche von etwa 100.000 Quadratmetern ansiedeln. Sie kommen aus den Bereichen Maschinen- und Gerätebau, Human- und Veterinärmedizin, Logistik für medizinische Artikel oder auch Elektrotechnik und Elektromobilität. Für die Erschließung der Straßen des 1. Bauabschnittes erhielt die Stadt Fördermittel in Höhe von rund 3,4 Millionen Euro.

Knut Markert (Würth-Niederlassungsleiter Berlin), Christian Hoehnel (Regionaler Niederlassungsleiter Regio Nord/Ost) sowie Tom Ziermaier (Vertriebsleiter Regio Nord/Ost), Bürgermeister Swen Ennullat und der stellvertretende Bürgermeister, René Klaus (v.l.), am künftigen Würth-Hauptniederlassungsstandort für die Region Berlin-Brandenburg im Technologiepark auf dem Funkerberg. © Foto: Reik Anton

24/7 Logistik am Drehkreuz Berlin-Süd

1. Oktober 2020

Redaktion Stadtfunk

Schlimmer als Kiekebusch kann’s ja nicht kommen… oder doch?

Ist es zu fassen? Da wird – von allen und jedem unbemerkt!!! – eine 56.000 qm Halle im IG Liepnitzenberg/ OT Niederlehme erbaut… das ist eineinhalb mal so groß wie in Kiekebusch!!! Und vertrauenswürdige Quellen sagen: das ist für AMAZON und die Eröffnung soll unmittelbar bevorstehen! Und alles, was größer als ein Toaster ist, wird künftig nicht in Kiekebusch, sondern in Niederlehme umgeschlagen!

Was bedeutet das für unseren Ort? Das bedeutet hunderte LKWs rein und raus auf die Autobahn – jeden Tag! 365 Tage im Jahr! Wo bleibt da die Umweltverträglichkeitsprüfung? Wo bleibt die Verkehrsbelastungsstudie? Was wissen eigentlich die Gemeinde, die politischen Vertreter der Stadt, die Einwohner davon? NICHTS!!!!! Uns bleibt die Spucke weg. Genauso unfassbar: Nicht einmal der Ortsbeirat von Niederlehme als Vertretung der betroffenen Einwohner wurde informiert, ein diesbezügliches Statement der Ortsvorsteherin liegt der Redaktion vor.

Am 9. Januar 2020 wurde im Ortsbeirat Niederlehme ein weiteres Projekt vorgestellt. Vor also gerade mal neun Monaten sah dieses Projekt insgesamt vier einzelne Hallen vor: Künftige Nutzungen wie ein Wasserstofferzeugungszentrum für TESLA, ein Datenrechencenter, ein (kleines) Güterverkehrszentrum, und ein Zementwerk wurden zur Sprache gebracht. Der Ortsbeirat hatte sich bereits damals eindeutig gegen ein Logistikzentrum ausgesprochen, nach einer turbulenten und erregten Diskussion!

Wie oft ist die Autobahn auf unserem Teilabschnitt blockiert? Wo fahren dann hunderte Megatrucks mit ihrer Ladung täglich rein ins Gewerbezentrum Niederlehme? Wo fahren die tausende Kleintransporter dann raus aus dem Gewerbezentrum? RICHTIG! Durch die Ortsdurchfahrt Niederlehme-Wernsdorf, durch die Ortsdurchfahrt Zernsdorf und durch die Innenstadt von Königs Wusterhausen! Das wird die Realität, wenn es nach der Vorstellung des Logistikdienstleisters geht. Schöne neue Welt.

Und wo entstehen die so dringend vor Ort notwendigen Arbeitsplätze? Abgesehen davon – wie geht eigentlich der Landkreis als Baubehörde mit unserer Stadt und mit ihren Einwohnern um! Null Information über eine Änderung einer erteilten Baugenehmigung, die daraus das größte Logistikzentrum im Berliner Umland macht. Schön heimlich an jeder Öffentlichkeit vorbei. Das ist doch an Dreistigkeit nicht mehr zu überbieten!

Willkommen im Drehkreuz Berlin-Süd, willkommen im LDS, wo Bürger ganz heimlich und schlau umgangen werden.

700 Jahre Königs Wusterhausen – Die neue Stadtchronik

29. September 2020

Pressemitteilung der Stadt Königs Wusterhausen
Auch wenn das Wetter nicht gerade einladend war, ein bisschen gefeiert wurde am 26. September 2020 trotzdem. Die Stadt bedankte sich mit einem kleinen Empfang bei allen, die an der neuen Stadtchronik mitgewirkt bzw. den Weg dafür geebnet haben. Rund 40 Gäste waren in den Innenhof des Dahmelandmuseums gekommen. Besonders schön war, dass mit Frau Dr. Kristina Hübener (Uni Potsdam/ Brandenburgische Historische Kommission) und Dr. Felix Engel beide Herausgeber anwesend waren und einige Worte an die Gäste richteten. Auch Margitta Berger vom Heimat- und Museumsverein Königs Wusterhausen begrüßte die Anwesenden. Bürgermeister Swen Ennullat zeigte die Entwicklung der Stadt mit den damit verbundenen Herausforderungen auf und dankte allen Gästen für ihre zeitintensive Arbeit an der Stadtchronik.
Die Dixieland Stompers sorgten für stimmungsvolle Musik – und Kleinigkeiten für den Gaumen gab es auch.
An dieser Stelle nochmals allen an der Stadtchronik Beteiligten – auch aus den Ortsteilen – vielen Dank für diese tolle Arbeit! Ohne sie wäre das Buch nicht so gelungen.
Das Buch ist im Bebra Verlag erschienen und unteranderem erhältlich in der Stadtbuchhandlung Radwer in der KWer Bahnhofstraße.
Foto © M8

Landrat erklärt Klage gegen Landkreis für unzulässig

4. September 2020

Pressemitteilung der Stadt Königs Wusterhausen

Die Stadt Königs Wusterhausen hat am Donnerstag, dem 3. September 2020, die Klage gegen die Höhe der Kreisumlage 2019 zurückgenommen. Damit kommt das Rathaus einer Entscheidung der Kommunalaufsicht des Landkreises Dahme-Spreewald nach. Demnach hat der Bürgermeister das Votum der Stadtverordneten umzusetzen. Die Stadtverordnetenversammlung hatte die Rücknahme der Klage mehrheitlich beschlossen, nachdem sich der nach Hauptsatzung eigentlich zuständige Hauptausschuss zuvor für eine Fortsetzung ausgesprochen hatte. Die Beanstandung des entsprechenden SVV-Beschlusses ist unwirksam.

Der Landrat, der als Untere Landesbehörde (Kommunalaufsicht) auftritt, hat keine inhaltliche Entscheidung über die Klage gegen den durch ihn als Landrat vertretenen Landkreis getroffen. Vielmehr wurde festgestellt, dass der Beschluss der Stadtverordneten auszuführen ist. So lautet auch das Fazit des juristischen Beistands der Stadtverwaltung in dieser Angelegenheit zur Streitentscheidung der Kommunalaufsicht.

Als Hauptverwaltungsbeamter ist der Bürgermeister zur wirtschaftlichen und sparsamen Haushaltsführung verpflichtet. Mit der Klage forderte die Stadt, die Kreisumlage für 2019 um 1,4 Millionen Euro zu reduzieren. Die restlichen von der Stadt an den Landkreis zu zahlenden 15,6 Millionen Euro standen außer Frage und waren auch nicht Teil der Klage. Die Stadtverwaltung argumentierte, dass der Landkreis Dahme-Spreewald einen zu hohen Finanzbedarf zur Berechnung der Kreisumlage für Königs Wusterhausen herangezogen hat. Auch hatte er nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, seine anderen Erträge zu erhöhen.

„Wir akzeptieren die Entscheidung der Kommunalaufsicht. Spannend wird sein zu sehen, welchen Erfolg die Gemeinde Eichwalde mit ihrer Klage zum selben Sachverhalt vor dem Verwaltungsgericht haben wird“, sagte Bürgermeister Swen Ennullat. Falls die Klägerin dort obsiegt, kann im Falle Königs Wusterhausens dem Bürgermeister ein möglicher finanzieller Schaden für die Stadt nicht angelastet werden. Denn durch die pflichtgemäße Beanstandung des SVV-Beschlusses hat der Bürgermeister auf seine Bedenken hingewiesen. Die Entscheidung des Landrates stellt den Bürgermeister hier von allen Folgen der Ausführung des SVV-Beschlusses frei. Die Verantwortung liegt nun bei der Kommunalaufsicht.

Entgegen der Behauptung der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“ in einem Artikel vom 2. September 2020 hat die Stadtverwaltung der Kommunalaufsicht alle Unterlagen zu diesem Sachverhalt nachweislich zukommen lassen – zuletzt Mitte August. Weiterhin ist es nicht korrekt, dass die Stadtverwaltung die Ausführungen des Ministeriums des Innern und für Kommunales, z.B. zu einer möglichen Befangenheit des Landkreises in dieser Sache, kennt. Die in Rede stehenden zweimaligen Informationen des Ministeriums liegen der Stadt nicht vor. Die beantragte Einsichtnahme wurde – ganz im Gegenteil – der Stadt mehrfach verweigert.

Derzeit liegen im Rathaus fünf Rückmeldungen der Kommunalaufsicht zu Beanstandungen des Bürgermeisters bzw. seiner Vertreterinnen und Vertreter vor. In drei Fällen wurde eine sogenannte „Streitentscheidung“ der Kommunalaufsicht getroffen.

Indes hat die Stadt pflichtgemäß und fristgerecht Widerspruch gegen den Kreisumlagebescheid für das Jahr 2020 eingelegt.

Wasser und Kunstrasen – Faktencheck

2. September 2020

Michael Hofmann

Anmerkung der Redaktion:
Obwohl ein Kunstrasenplatz (KRP) heute ökologisch und ökonomisch völlig aus der Zeit gefallen erscheint, schlagen die Wogen bei der Diskussion um Vergabe von Mitteln der öffentlichen Hand an einen kleinen privaten Sportverein für einen solchen Platz weiter hohe Wellen. Nicht zuletzt wurde ein KRP auch von den Gegnern eines parteilosen Bürgermeisters als eines der Vehikel zu dessen Suspendierung benutzt. Unser Autor hat sich, nachdem er sowohl in den sozialen Medien als auch im Hauptausschuss mit seiner Meinung zum Kunstrasenplatz ins Unrecht gesetzt wurde, einmal genauer mit der Problematik beschäftigt. Weitere Artikel zu dieser Problematik finden Sie (hier)
 und (hier) im Stadtfunk.

Aktuell gibt es ein vermeintlich starkes Argument welches für einen Kunstrasenplatz spricht: „Die Flüsse und Seen in Brandenburg trocknen immer weiter aus – ein Kunstrasen muss nicht gewässert werden und das ist schonender die Umwelt.“

Dass jeder Tropfen Wasser, der auf einen Sportplatz fällt, dem Wasserkreislauf zugeführt wird, und somit nicht verloren ist, scheinen einige Agitatoren vergessen zu haben. Bereits in der vierten Klasse werden diese Schritte gelehrt. Sie wiederholen sich in der Natur endlos: Verdunstung – Wolkenbildung – Regen – Versickerung.

Nun gut, tun wir mal so, als ob alles Wasser, welches für einen Sportplatz benutzt wird „verloren“ sei. Wenn wir uns mit der Materie etwas genauer beschäftigen fällt auf, dass wir bereits bei der Produktion von den nötigen Kunststoffen beginnen müssen.

Ein Kunstrasenplatz (KRP) verbraucht ungefähr 100 Tonnen Kunststoff bei der Erstanlage, sowie 10 Tonnen Nachschüttung jährlich (weniger Nachschüttung verkürzt die Nutzungsdauer). Die Nutzung liegt bei 10 bis maximal 15 Jahren.
Die Herstellung von einer Tonne Kunststoff verbraucht durchschnittlich 500.000 Liter Wasser (zuzüglich mindestens 60 Gigajoule Energie – der Wasserverbrauch bei der Energiegewinnung ist hier mal außen vor, da je nach Energiequelle stark unterschiedlich).
Zum Recycling von einer Tonne Kunststoff werden 30 Liter Natronlauge verbraucht. Um diese ausreichend zu verdünnen, damit sie eingeleitet werden können, benötigt man 998 Liter Wasser. (Dies ist exemplarisch nur eine einzige beteiligte Chemikalie. Und es geht hier alleine um die nicht wiederaufbereitbaren 30 Liter, die eingeleitet werden müssen, den Aufwand zur Wiederaufbereitung des Restes lasse ich ebenfalls außen vor! Maximal 80% sind Recyclingfähig (80t -> recycelt werden nur die 100t die nur auf dem Platz liegen. Die abgetragenen 150 Tonnen (10 Tonnen x 15 Jahre) sind ja irgendwo in der Umwelt und werden nicht in dieser Wasserdiskussion betrachtet.) Zur Vereinfachung runde ich den Betrag ebenfalls von 998 auf 900 Liter ab.)

Also ergibt sich folgende Rechnung:
Herstellung:
50 Millionen Liter Wasser
Betrieb:
jährlich 5 Millionen Liter Wasser. (Pflegebewässerung lasse ich zu Gunsten des KRP außen vor – auch dieser muss bei Dürre gewässert werden, damit Halme nicht abstumpfen; ökologische Auswirkungen des Mikroplastiks lasse ich in der Wasser-Diskussion ebenfalls außen vor, darauf sind Priska Wollein und andere (hier) bereits eingegangen.)
Recycling:
2,16 Millionen Liter Wasser.

Daraus ergibt sich in Summe ein Wasserverbrauch von 127,16 Millionen Liter Wasser. Das sind kalkulatorisch 8,477 Millionen Liter Wasser pro Jahr bei Annahme der maximalen Nutzungsdauer von 15 Jahren.

Der Wasserverbrauch pro Quadratmeter Sportrasen wird je nach Rasenart und Region mit 50 bis 250 Liter Wasser pro qm beziffert. (Bei dem zur Erläuterung oft herangezogenen Gartenrasen sind es übrigens nur 10-20 l Wasser/qm)
Ein Fußballfeld hat 7.140 qm.
Wenn ich großzügig auf 10.000 qm aufrunde und die maximale Bewässerung annehme, dann komme ich auf jährlich 2.5 Millionen Liter Wasser. Bei Betrachtung des aktuellen Rasenzustandes in Zeesen, habe ich aber starke Zweifel, dass diese Menge genutzt wird.

Beim Entsorgen von Naturrasen wird auch Wasser verbraucht um Sand von organischem Material zu trennen. Dies würde ich jedoch im Rahmen der Minimal-Betrachtung des Kuststoffrecylings von nur einer einzigen Chemikalie, als mehr als ausgeglichen betrachten.

Nun verstehen Sie hoffentlich, dass selbst bei Nichtbetrachtung vieler Faktoren zu GUNSTEN des KRP und Einziehung negativster Faktoren zu LASTEN des Naturrasens der Kunstrasen dennoch mindestens 3,3x mehr Wasser verbraucht als Naturrasen.
Wenn wir Durchschnittswerte annehmen (Nutzung 12 Jahre; 150 Liter Bewässerung) dann ist der Faktor bereits bei 7,0x höherer Wasserverbrauch als bei Naturrasen.

Und zusätzlich erzeugt ein Rasenplatz Sauerstoff für ca. 120 Personen, absorbiert und bindet Staub.

Jetzt sagen sicher die Kritiker:

„Was sind ihre Quellen für das Zahlenwerk?“ Diesen entgegne ich gern, dass es sich bei allen Werten um belastbare Durchschnittswerte handelt. Und zwar nach kaufmännischem Vorsichtsprinzip zu Gunsten des KRP, um meine Argumentation nicht angreifbar zu machen. Wer dies nicht glaubt, der soll sich selbst informieren. Ich kann gern tiefer einsteigen, aber die Rechnung wird sich dann erfahrungsgemäß immer weiter zu Ungunsten des KRP verändern.

„Aber es gibt auch Kunststoffrasen ohne Granulat!“ Ja, dieser muss genauso gewässert werden wie Naturrasen, sonst stumpfen die Halme ab. Es wird auf nassem Rasen gespielt. Also gibt es im Vergleich keinen Wasser-Vorteil. Fragen Sie übrigens mal Vereine, die Sandfüllung statt Granulat verwenden, der Dämpfungskomfort ist fast bei Null, die ohnehin hohe Verletzungsgefahr auf einem KRP ist erhöht.

„Aber es gibt auch Kunstrasen auf PE-Basis (Polyethylen), das wird umweltfreundlich ohne Chemie entsorgt.“ Ja, allerdings enthalten diese Mischkunststoffe gesundheitsschädliche Weichmacher und sie sind in der Herstellung um ein vielfaches teurer, so dass das geplante Budget von 1.200.000,00 € bei weitem nicht ausreicht. 

Liebe Befürworter des KRP in der Stadtverordnetenversammlung, ich muss mich bei Ihnen entschuldigen. Ich bin davon ausgegangen, dass Sie sich kundig gemacht haben, bevor Sie Ihre Stimme abgeben und lautstark mehrfach Ihre Meinung äußern. Ich hoffe nun reichen Ihnen die Argumente um dem Irrsinn ein Ende zu machen.

Demokratur in KW

20. Juni 2020

Ein Kommentar von Priska Wollein, Stadtverordnete der UBL/UFL in Königs Wusterhausen

Ich musste diesen Abgesang der Demokratie in schönster Nichtöffentlichkeit miterleben. Mein Entsetzen darüber hält an. Die Tatsache, dass all dies hinter verschlossenen Türen, ohne Bürgermeister, ohne Einwohner, ohne Verwaltung stattfand, zeigt mir die Angst der Königsmörder, dass etwas über die Art und Weise ihres Handelns an die Öffentlichkeit dringen könne.

_Darf man jemanden in solch einer brutalen Entscheidung des Rechts berauben, zumindest angehört zu werden?

_Darf man über anwesende Stadtverordnete und deren berechtigte Fragen, Zweifel, Einsprüche, Rügen ohne inhaltliche Würdigung hinwegehen?

_Darf man sich über sämtliche Gepflogenheiten eines kollegialen Umgangs verbal und handgreiflich hinwegsetzen?

_Darf man unter dem Vorwand, Regeln und Gesetze würden nicht eingehalten (was eine Unterstellung ohne Beweis ist), selbst Regeln und Gesetze in mehrfacher Weise verletzen?

Ja, man darf, wenn man sich der Sache so sicher ist und in dieser Demokratur für den Machterhalt missbrauchen lässt. Denn die Rückeroberung des Königsstuhls war beschlossen, seit Ennullat von den Menschen dieser Stadt legitim gewählt wurde. Hätte nicht das Volk das Recht, nun zu erfahren, warum und wie ihr Bürgermeister aus diesem Amt entfernt wird?

Ich sage Ihnen: Stellen Sie Fragen! Gehen Sie am Montag vor der SVV zu Ihren gewählten Vertretern und zeigen Sie, dass Sie ein Recht auf Antworten haben! Schlicht, den meisten fehlt der Mut, sich zu stellen: den Politiker der Mut, sich den Fragen der Bürger zu stellen, und den Bürgern der Mut, sich gegen die Willkür eines Komplotts zu stellen.

»Sicher, wir sind ganz schön mitgenommen
Die Stimmen sind heiser vom schreien
Töne gibt’s da manchmal im Lachen
Da muß man schon vorsichtig sein
Mißtrauisch sind wir beim Spaß geworden
Nein machen wir uns da nichts vor
Schmaler Verdacht in den Augenwinkeln
Die Hand am geschlitzten Ohr
Doch unsere Sache, unsere Sache, die steht nicht schlecht.«
(F.J. Degenhardt)

Wie Grün ist ein Kunstrasenplatz?

5. Juni 2020

Priska Wollein, Stadtverordnete UBL/UFL

Von den Fraktionen SPD und Bündnis90/Die Grünen in der Stadtverordnetenversammlung Königs Wusterhausen wurde für die Sitzung am 9. Dezember 2019 folgende Beschlussvorlage eingebracht:

In den Haushalt 2020 werden 300.000 Euro für einen Zuschuss zum Bau eines Kunstrasenplatzes, der aus umweltfreundlichen und für die Natur unschädlich abbaubaren Materialien errichtet wird, auf dem Vereinsgelände des FSV Eintracht KW in Zeesen eingestellt.

Ich meine, dass ein solches Projekt – als Vorschlag einer Partei, die die Erhaltung einer ökologischen und gesunden Lebensumwelt in ihrem Programm hat – in keiner Weise zeitgemäß ist und weder ökologisch noch ökonomisch zu verantworten ist. Der Satz mit der Umweltfreundlichkeit und unschädlichen Abbaubarkeit eines Kunstrasens ist nach heutigem Stand der Technik schlicht absurd.

Daraus wird Kunstrasen hergestellt:

Für die Herstellung von Kunstrasen (den »Grashalmen«) kommen Garne aus Polypropylen, Polyethylen oder Polyamid in Frage. Das Trägergewebe der Fasern wird mit Urethan oder Latex beschichtet und zumeist zusätzlich stabilisiert, um ein Verziehen zu verhindern.

Polypropylen (PP):
Diese Fasern sind sehr reißfest und widerstandsfähig gegenüber mechanischer oder chemischer Einwirkung. PP wurden vor PE und Nylon entwickelt. Ein Material, das – mit Quarzsand verfüllt – die Eigenschaften eines natürlichen Putting Greens perfekt nachahmt.

Polyethylen (PE):
Diese synthetische Faser wird aus Olefinen erzeugt und wurde für die Herstellung von Kunstrasenflächen entwickelt. Sie hat ein niedriges spezifisches Gewicht, eine extrem hohe Feuchtigkeitsaufnahme, die gleiche Reisfestigkeit in trockenem und nassem Zustand und ist resistent gegen Flecken, Schimmelpilzbefall und Insekten. Die weichen und belastbaren PE-Fasern kommen vor allem in Kunstrasen für die Gartengestaltung und für Terrassen, Balkone etc. zum Einsatz. Wenn Kunstrasen aus PE richtig verlegt wird, trocknet er schnell, ist UV-resistent und hat überhaupt keine Probleme wenn er täglich beansprucht wird.
PE wird als Monofilament oder Slit Film verarbeitet. Slit Film Sorten, die in Sportplatz-Installationen verwendet werden, haben breite Halme, ähnlich den Fescue- und Bermuda-Gräsern. Währende Monofilament eher Rye und Blue Grass ähnelt.

Polyamid (PA = Nylon):
Fasern mit exzellenter Reisfestigkeit, Flexibilität, Haltbarkeit. Ist waschbar, trocknet schnell und ist widerstandsfähig gegenüber Insekten und Mikroorganismen. Nylon kann von allen 3 Fasern am meisten Feuchtigkeit aufnehmen. Nylon wird vor allem für Putting Greens aus Kunstrasen verwendet.

Alle drei Varianten sind ökologisch fragwürdig, da sie sich unter Sonneneinstrahlung durch UV Licht zersetzen und über die Lebensdauer hinweg erheblich Mengen an Mikroplastik frei werden, die direkt in die Umwelt gelangen. Hinzu kommen die erheblichen Entsorgungsprobleme nach Ablauf der Nutzungsdauer von ca. 8–12 Jahren.

Wovon die Grünen Stadtverordneten hingegen immer sprechen, wenn sie »ökologisch« meinen, ist das Füllmaterial. Hier kann man statt des Gummirecyclingmaterials auch Sand oder Kork verwenden. Die Variante mit Sand hat schlechtere Spieleigenschaften wegen fehlender Elastizität und eine erheblich höhere Verletzungsgefahr. Eine Korkfüllung ist schon wegen der Herkunft des Korks ökologisch in Frage zu stellen, ist aber als organisches Material wesentlich anfälliger für Zersetzung und Fäulnis und damit auch wesentlich wartungsaufwändiger. Beides, Sand oder Kork, lassen sich bei der Entsorgung nicht vom Oberflächenmaterial, insbesondere dem Zersetzungsprodukt Mikroplastik trennen und sind damit spätestens dann problematisch. Mal ganz abgesehen, dass der Rückbau und die Entsorgung noch in keiner Kalkulation zum KRP auftauchen… wer soll das eigentlich bezahlen?

Ein weiterer Aspekt ist, dass eine künstliche Fläche sich deutlich mehr erhitzt als Naturrasen und außerdem die CO2-Bilanz von Kunstrasen ggü. Naturrasen logischerweise grottenschlecht ausfällt. Ja, genau, auch Naturrasen, so kurz er sein mag, bindet CO2. Aber was soll man noch an Argumenten bringen, wo andere Interessen Vorrang haben?

Ich wünsche mir gerade von einer Partei, die sich ökologische Ziele ins Programm geschrieben hat, etwas mehr Sorgfalt und Weitblick in Bezug auf solche Vorschläge. Es entsteht doch sehr der Eindruck, dass man hier ausschließlich den Werbeversprechen der Industrie aufgesessen ist. Bei den in unserer Stadt vorhanden Flächen, die als Grün erhalten werden müssen, scheint mir ein solcher Vorschlag völlig aus der Zeit gefallen.

Anmerkung der Redaktion:
Einen interessanten Beitrag zur Entsorgungsproblematik findet man im Artikel „Friedhof der Kunstrasenplätze“ (Link)

Die MAZ nennt es Kleinkrieg, ich nenne es Verteidigung der Demokratie

27. Mai 2020

Ein Kommentar von Dr. Dieter Füting

Kleinkrieg, so nennt das die MAZ am 27.5.2020 auf der Seite 14. Ich dagegen nenne es den ehrlichen Kampf eines mutigen Bürgermeisters gegen verkrustete Denkstrukturen und undurchsichtige Entscheidungsvorgänge in Vergangenheit und Gegenwart.
Das verdient unsere Anerkennung, und das braucht den Streit!
Für mich soll es ein Streit sein, um überhaupt zu verstehen, wie man sich eine kulturvolle Stadt träumen kann.
An Naivität und Gleichgültigkeit gegenüber einer kulturvollen Stadt stoße ich mich. Mich ärgert diese Verkümmerung des Bewusstseins, diese wahrgenommene Impotenz einiger Stadtverordneter, mit denen sich Herr Ennullat unsinnigerweise ständig auseinandersetzen muss. Und ich schaue mit neugierigem Respekt und Sympathie, wie er sich jedem Ausbruchsversuch und der naiv auftretenden Selbstsicherheit seiner Gegner entgegen stellt. Ich brauche diese Erfahrung wie reine Luft oder frisches Wasser. Deshalb wünsche ich mir, dass wir uns alle an unsere Geistesfähigkeit erinnern, an unser Potential an Kreativität, an unseren Möglichkeitssinn und unsere Fähigkeit zu Visionen. Unser Bürgermeister Swen Ennullat ist eine große Chance für unsere Stadt. Wir sollten ihn alle besser unterstützen.

Almosen oder echte Hilfe für Familien? Eine Grundsatzfrage

3. Mai 2020

Birgit Uhlworm, Fraktionsvorsitzende UBL-UFL in der SVV KW

2. Mai 2020

Presseerklärung der UBL-UFL-Fraktion der SVV Königs Wusterhausen zum AfD-Antrag „Essen für bedürftige Kinder“ sowie zum Antrag der Fraktionen SPD, CDU, Wir für KW/BVO, Bündnis90/Die Grünen, Linke und der Fraktionslosen Stadtverordneten Dirk Marx und Stefan Lummitzsch „Kostenloses Mittagessen an Kinder aus bedürftigen Familien“

Die UBL-UFL-Fraktion stellt klar:
Familien sind nicht bedürftig. Familien verdienen unser aller Wertschätzung und Hochachtung. Sie leisten gerade Herausragendes durch die Betreuung der Kinder und das gleichzeitige Arbeiten daheim. Bei den eingangs zitierten Anträgen sehen wir gleich mehrere Konflikte.

Es wird Eltern unterstellt, sie würden ihre Kinder nicht mit einem warmen Mittagessen versorgen. Diese Unterstellung weisen wir energisch zurück. Die Versorgung der Kinder gehört zu den Selbstverständlichkeiten in Familien.

Was den Eltern fehlt, ist einzig und allein Geld. Eltern brauchen angesichts steigender Lebensmittelpreise in diesen Zeiten mehr Geld, um ihre Kinder vollwertig ernähren zu können.
Und das heißt: der Regelsatz in der Grundsicherung ist dringend zu erhöhen. Genau diese Forderung stellen neben uns viele Verbände.

Den Eltern steht darüber hinaus auch das Geld aus dem Bildungs- und Teilhabepaket zu, weil sie gerade jetzt Bildung und Mittagessen für ihre Kinder absichern. Familien brauchen keine Almosen! Was soll eine Familie auch mit einer Liefermahlzeit täglich anfangen, wenn weitere Familienmitglieder dann immer noch bekocht werden müssen?

Des weiteren brauchen wir nicht mehr Müll und Umweltbelastung durch das Verpacken und Ausliefern der Essensportionen.

Familien sollten also – genau wie Unternehmen, die ja bereits staatliche finanzielle Unterstützung erhalten – Geldzahlungen erhalten, um selbst für sich zu sorgen. Eine moderne Familienpolitik setzt auf den Dreiklang von Geld – Zeit – Infrastruktur.

Die UBL-UFL-Fraktion steht für eine solche Politik und fordert sie ein.