Noch immer ist der Dorfkern von Niederlehme Gegenstand von Diskussionen in kommunalpolitischen Gremien. Das findet seinen fortgesetzten Niederschlag auch in der MAZ, wie der jüngste Artikel dort zeigt. Er steht unter der Überschrift „Wie sich ein Dorf über einen Grünstreifen entzweit“ (MAZonline, 29.09.2026) und hebt einen Aspekt aus der Diskussion hervor, den Niederlehmer Bürgerinnen und Bürger in Einwohnerfragestunden betont haben, verbunden mit der Bitte, die Stadtverordneten mögen die Beschlussvorlage zum Dorfkern Niederlehme nicht befürworten. Die Bitte werden sie in der kommenden Sitzung der Stadtverordnetenversammlung (SVV) wiederholen, einhergehend mit der Übergabe einer Liste mit Unterschriften von Einwohnern – so die Ankündigung.
Ja, es gibt zum Dorfkern Niederlehme immerzu etwas Neues, das von einer Gruppe zum Gegenstand von Ablehnung gemacht wird. Nun ist es dieser Grünstreifen, inzwischen angereichert, ja aufgebauscht mit Sorge und Angst vor Wildschweinrotten. Aus meiner Sicht als außenstehende Bürgerin berührt er nur die Oberfläche der Auseinandersetzung zwischen Teilen der dortigen Bevölkerung. Im Kern geht es jedoch um die erwogene Gesamtentwicklung dieses kleinen, besonderen Siedlungskörpers, der heute zu Königs Wusterhausen gehört und die manchen Anwohnern, auch manchen anderen Niederlehmern nicht gefällt – sie möchten sie verhindert sehen.
In der Diskussion mischen sich – das verwundert mich kaum – nicht erst seit heute einerseits ausführliche, sachliche Analysen und Beschreibungen auf der Basis grundlegender Dokumente, aber ebenso bedenkenswerte Erfahrungen, andererseits starke Emotionen, Behauptungen und Falschaussagen. „Es ist schwierig, bei dieser Gemengelage überhaupt zu gewichten und zu werten“, sagte laut MAZ etwa Jens Richter von der CDU-Fraktion. Und ich füge hinzu: Aber es ist machbar, wenn die Bedingungen stimmen und Entscheidungshilfen existieren.
Eines wird deutlich: Derartige Zielkonflikte sind nicht neu und werden vermutlich nicht geringer werden (bis hin zum Schaffen von Tatsachen durch Vorhabenträger, die ihre Absichten auf diese Weise durchzusetzen versuchen). Gerade deshalb betrachte ich Vorgaben, Zielsetzungen und fundierte Positionen von Kommunalpolitik und Stadtverwaltung als nötig, ebenso deren konsequente Anwendung im Umgang mit Bewohnern und Investoren.
Wenn das nicht der Fall ist und man sich argumentativ auf „Gemengelagen“ zurückzieht – betreffend auch prüfenswerte Einwendungen gegenüber der Stadtverwaltung, Bereich Stadtentwicklung –, wird man als Stadtverordneter wohl schnell zum Spielball eigener Unsicherheit, fortgesetzten Schwankens, von endlosem Pragmatismus, von Parteitaktik und eigenartigem Konsens. (Das geschieht gegenwärtig wohl verstärkt unter besonderem Einfluss äußerer und innerer Ursachen auf einzelne Parteien, wie er auf Bundes- und Landesebene sichtbar wird, von Orientierungsschwierigkeiten durchsetzt.)
Im Ergebnis entfernen sich Stadtverordnete bei Preisgabe vorhandener fachlicher Grundlagen – aufgeführt in Begründungen von Beschlüssen und Beschlussvorlagen, in Stellungnahmen des Ortsbeirates und des NABU usw. – mehr und mehr von den berechtigten Anliegen der ursprünglichen, von der CDU-Fraktion selbst initiierten Beschlussvorlagen.
Für den Dorfkern Niederlehme – um bei diesem kleinen Juwel zu bleiben – liefe eine solche Preisgabe nach meinem Verständnis letztlich auf jene Entwicklung hinaus, die zunächst die CDU-Fraktion, später weitere Stadtverordnete aus gutem Grunde verhindern wollten.
Der Dorfkern würde dann seine Besonderheiten, seine Identität massiv einbüßen unter dem Druck innerer und äußerer Begehrlichkeiten nach Bebauung, Zubau, Umbau, Hochbau usw., mit individuell möglichst größtem Eigennutz, und das auf Kosten eines erhaltungswürdigen Ensembles mit erforderlichen Grünräumen.
Sofern diese Tür geöffnet wäre, wäre sie sofort durchschritten, mit allem, was sich nun als möglich böte. Ohne Rücksicht auf Verluste. So wirken kapitalistische Verhältnisse, wenn erforderliche Begrenzungen fehlen.
Käme es in Niederlehme, im Dorfkern, zu dieser Situation, wäre das meines Erachtens eine Bankrotterklärung: für Handeln, schwerfälliges Handeln oder Nichthandeln der zuständigen Behörden – eingeschlossen die verantwortliche Leitungsspitze in der Stadtverwaltung –, aber ebenso für Handeln, schwerfälliges Handeln oder Nichthandeln der Mehrheit der Stadtverordneten. Auch aus Gründen, wie sie der Stadtverordnete Jens Richter anklingen ließ.
Eine Bankrotterklärung, die Namen hätte. Aber sie muss nicht zwangsläufig eintreten, zumal wichtige Arbeiten für die Beschlussvorlage bereits erfolgt sind.
Aus meiner Sicht wäre es eine gute Entscheidung, würde mindestens eine Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung den Wünschen einer Gruppe von Niederlehmer Einwohnern nach Ablehnung der Beschlussvorlage nicht entsprechen. In ihr geht es ohnehin erst einmal nur darum, sie einer breiten Öffentlichkeit zur Diskussion zur Verfügung zu stellen.
Weiterführende Links:
- MAZ: Wie sich ein Dorf über einen Grünstreifen entzweit (29.09.2026)
- Facebook-Video zum Thema
- Deutsche Stiftung Denkmalschutz: Schwarzbuch der Denkmalpflege 2024/2025
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