Redaktionelle Vorbemerkung
Der nachfolgende Leserbrief von Dr. Marina Kreisel wurde der Märkischen Allgemeinen Zeitung zur Veröffentlichung übersandt und dort am 15./16. August 2026 unter der Überschrift „Trinkwasser muss bezahlbar bleiben“ veröffentlicht – allerdings in deutlich gekürzter Form.
Kürzungen von Leserbriefen sind im redaktionellen Alltag grundsätzlich nachvollziehbar. Problematisch werden sie aus unserer Sicht jedoch dann, wenn durch die Auswahl der veröffentlichten Passagen wesentliche Teile der Argumentation entfallen und dadurch Schwerpunkt, Aussage und politische Einordnung eines Beitrags verändert werden.
Genau diesen Eindruck vermittelt uns die veröffentlichte Fassung. Insbesondere weitergehende Aussagen zu Industrieansiedlungen, Flächenverbrauch, wirtschaftlichem Wachstum und zu politischen Prioritäten fehlen. Damit erscheint der Leserbrief deutlich allgemeiner und weniger politisch pointiert, als er von der Autorin verfasst wurde. Ob diese Auswahl bewusst politisch motiviert war, können und wollen wir nicht beurteilen. Eine politische Färbung der vorgenommenen Kürzungen ist aus unserer Sicht jedoch zumindest erkennbar.
Der Stadtfunk KW veröffentlicht den Leserbrief deshalb nachfolgend ungekürzt und inhaltlich unverändert. Lediglich kleine Fehler wurden korrigiert und Abkürzungen ausgeschrieben. So können sich unsere Leserinnen und Leser selbst ein vollständiges Bild von der Position der Autorin machen.
Mittelstädt warnt vor Wasserknappheit: „Gehe davon aus, dass alle mehr zahlen müssen“ (MAZonline 13.07.2026)
Nachdem sie von Bürgern gewissermaßen fast zum Jagen getragen worden sind, haben jüngst Tina Fischer (Sozialdemokratische Partei Deutschlands) und Ludwig Scheetz (Sozialdemokratische Partei Deutschlands) als Mitglieder des Landtags Brandenburg das Thema Wasser öffentlich angesprochen, das verbunden mit ihrem Besuch im Wasserwerk Eichwalde. Nun äußert sich auch die Ministerin Hanka Mittelstädt (Sozialdemokratische Partei Deutschlands) über das meines Erachtens existenziell wichtigste Thema öffentlich – endlich -, hier insbesondere über Trinkwasser, Abwasser, Grundwasser und seine Neubildung sowie über damit einhergehende Probleme. Dabei bleibt sie allerdings – vermutlich nicht nur dem Charakter dieses Interviews geschuldet – zu sehr im Vagen, beim Aktionismus, bis hin zur Erhöhung der Wasserentgelte für alle. (Letzteres soll dann wohl etwas nach Gerechtigkeit aussehen, ist es aber nicht.) Eines wird leider nicht unmissverständlich unterstrichen: Trinkwasser war und ist ein einzigartiges Lebensmittel für alle Menschen – hier bezogen auf Brandenburg und Berlin -, und das muss es bleiben, auch für alle Menschen noch künftig zugänglich u n d bezahlbar. Dabei ist das Recht auf sauberes Wasser laut Generalversammlung der Vereinten Nationen seit dem Jahre 2010 als Menschenrecht anerkannt worden. Es ist folglich zu verhindern, dass Nutzungskonflikte, dass Verteilungen von Wasser auf Kosten dieses Menschenrechts – hier im Land Brandenburg und in Berlin – gelöst werden. Derartige Bestrebungen wird es geben, da bin ich mir sicher. Deshalb geht es meines Erachtens auch um mehr, als dafür zu sorgen, „künftig bei jeder Industrieansiedlung die Ressource Wasser mitbedacht wird“. Das muss für Erweiterungen bereits vorhandener Industrieanlagen – siehe Wiesenhof in Königs Wusterhausen oder Red Bull in Baruth – ebenso gelten. Dass das bisher oft nur ungenügend getan worden ist trotz oder wegen der Existenz von Behörden, trotz oder wegen des Vorhandenseins des Wassergesetzes und obwohl Bürger immer wieder darauf gedrungen haben, zeigt wohl einmal mehr: Das bisherige politische Denken und Handeln war und ist auch hierzu zu stark von der Tagespolitik bestimmt. Unternehmerische Bedürfnisse spielen eine zentrale Rolle (siehe Tesla) für Entscheidungen in Landes- und Kommunalpolitik, das ohne ausreichende, nötige Weitsicht auf den Bereich Wasser und auch zu isoliert von anderen Bereichen (siehe Wald) und den Folgen für sie. Und das scheint sich nicht in dem erforderlichen Maße zu verändern; denn dazu gehört meines Erachtens unabdingbar, sich grundlegend mit der Frage zu befassen, inwieweit die Besiedlung eines der trockensten Gebiete Deutschlands überhaupt in bisheriger Weise fortgesetzt werden darf und kann, ohne dass die Daseinsvorsorge der Menschen im Bereich Wasser kippt. Die Vorstellung vor allem in Politik, Technik und Wissenschaft, hier manches mittels Technik, mittels gern betonter Innovationen erfolgreich lösen zu können (was fast immer ja auch gewaltige Kosten einschließt, die in diesem System auf Bürger verlagert werden), geht im Jahre 2026 noch immer von einem Ansatz aus: Wachstum – eingeschlossen Flächenfraß und Waldvernichtung – sei in fast allen Bereichen in Brandenburg und Berlin nötig und möglich. Davon zeugt die fast zeitgleich mit dem Interview erfolgte Pressekonferenz der Wirtschaftsministerinnen Franziska Giffey (Sozialdemokratische Partei Deutschlands) und Martina Klement (Christlich Demokratische Union Deutschlands), die dort die „Gemeinsame Innovationsstrategie der Länder Berlin und Brandenburg“ vorgestellt haben.
Das alles stimmt mich nicht hoffnungsfroh – es wird weiterhin der Druck aus der Bevölkerung nötig sein. Aber ihr Handeln wird eingeschränkt, erschwert über das neue Informationsfreiheitsgesetz. Und das ganz ohne Alternative-für-Deutschland-Regierung, alles unter der Überschrift „Bürokratieabbau“.