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Weihnachtsgeschichte für Uckley’s Flüchtlinge

23. Dezember 2015

Antje Pretky, Einwohnerin von Zernsdorf und Integrationsmanagerin des Landkreises Dahme-Spreewald

Wer die christliche Weihnachtsgeschichte kennt, dem mögen gewisse Parallelen zum Schicksal vieler neu angekommener Flüchtlinge bei uns auffallen. Sie haben sich auf einen Weg gemacht, ohne das Ziel zu kennen. Sie sind gestrandet an einem Ort, der ihnen völlig unbekannt ist und den sie sich nicht aussuchen konnten.

86 Menschen leben seit kurzem in der Gemeinschaftsunterkunft in Uckley. Sie kommen fast ausschliesslich aus Syrien, einige aus Pakistan und eine Familie aus Tschetschenien; dabei sind 7 Kinder. Menschen, von denen wir so gut wie nichts wissen; die von uns so gut wie nichts wissen. Auf beiden Seiten besteht der Wunsch, dies zu ändern, und so haben wir am gestrigen Tag mit den Flüchtlingen in Uckley einen ersten gemeinsamen Nachmittag zum kennen lernen, gemeinsamen Plätzchen backen, basteln, Weihnachtslieder singen und Tee trinken erlebt. „Unsere“ Weihnachtsgeschichte wurde vorgelesen und von den Flüchtlingen in englisch und arabisch übersetzt. Es war ein gelungener Nachmittag, vor allem, weil auch einige Kinder und Jugendliche mitgekommen sind; sie konnten eine gute Brücke bauen zu den vielen jungen Menschen der Gemeinschaftsunterkunft in Uckley. Es haben viele Bewohner in der Küche gebacken und sich dann im großen Raum zusammengefunden. Das war ein wirklich lebendiges Miteinander und eine gute Grundlage dafür, dass sich daraus durchaus eine gute Beziehung zwischen Neubewohnern und Einheimischen entwickeln kann.

Vielerorts haben sich in Deutschland Initiativen zur Unterstützung von Flüchtlingen und Asylbewerbern gebildet. Sie sind Zeichen einer Willkommens-Kultur, die den zahlreichen Menschen, die in unser Land kommen, die Hände entgegenstreckt. Auch in unserem Ort und in unserer Umgebung wollen wir den Vielen, die kommen, mit Freundlichkeit begegnen und sie spüren lassen: Hier könnt ihr ohne Angst leben; hier könnt ihr zur Ruhe kommen.

Um den Flüchtlingen und Asylbewerbern Hilfe und Unterstützung anzubieten, hat sich in den letzten Wochen auf Initiative der evangelischen Kirchengemeinden der Region ein großer Kreis von Helfern und ehrenamtlich Engagierten aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft gebildet, um für die bereits unter uns lebenden Asylbewerber, als auch für die neu ankommenden Flüchtlinge einen Unterstützerkreis aufzubauen. Je nach vorhandenen Möglichkeiten soll Hilfe angeboten werden bei
– dem Erlernen der deutschen Sprache,
– der Unterstützung von Familien mit Kindern,
– Begegnungen,
– Rechtsangelegenheiten,
– der Sammlung, Koordinierung und Verteilung von Sachspenden,
– individueller Begleitung
– u.v.a.

Ich hoffe und wünsche mir auch für das kommende Jahr, dass wir in unserem Engagement für die Geflüchteten nicht nachlassen. Dass wir mit all unseren Möglichkeiten der Angst, der Unsicherheit und der Fremdenfeindlichkeit in unserer Nachbarschaft begegnen. Ich wünsche mir, dass wir auch weiterhin zusammenhalten und uns für Freiheit, Menschenwürde, Menschlichkeit, Frieden und Gewaltlosigkeit einsetzen.

Ansprechpartner für Hilfestellungen:
Pfarrer Hartmut Hochbaum, [email protected]

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Niederlehme: Beobachtung einer Ortsbeiratsitzung

16. Januar 2015

Matthias Fischer

5 Mannschaftwagen und 3 Streifenwagen der Polizei schienen dem Ortsbeirat von Niederlehme ein angemessener Rahmen für die Einwohnerfragestunde am 15. Januar 2015. Extra angereist war der Vertreter des Bürgermeisters von KW, Jörn Perlick.

Grund für die Aufregung ist die Sorge der Einwohner um die angemessene Unterbringung von Asylbewerbern. „Wir waren alle mal Flüchtlinge“, hieß es in der hoch sensibilisierten Runde aus etwa 150 Einwohnern. Unverständnis herrschte über eine Politik des Landkreises und der Stadt, die 400 Menschen unterschiedlichster Herkunft in ein Gebäude abseits jeglicher Zivilisation unterbringen will. Und das, obwohl seit Jahren von den Flüchtlingsräten aller Bundesländer die Lagerunterbringung in Massenunterkünften als unmenschlich abgelehnt wird. Auch die „Unterbringungskonzeption des Landes Brandenburg“ vom 7.6.2012 fordert die dezentrale Unterbringung in Wohnungen.

Die Ortsvorsteherin von Niederlehme, Ina Engel, SPD, wurde mehrfach zu ihrer Meinung befragt, sie hatte keine und sie lehnte zudem jede Verantwortung ab. Ebenso wie Jörn Perlick, immerhin stellvetredender Bürgermeister von KW, der lediglich mitzuteilen hatte, dass gegen den Beschluss des Landes nichts zu machen ist. Welcher Hohn auf die anwesenden Einwohner und auf die Achtung der Rechte der Asylbewerber. Welcher Hohn auf demokratische Politik. Die Emotionen der Einwohner überschlugen sich dementsprechend.

Einziger Lichtblick in der ohnmächtigen Politikerrunde war Katharina Ennullat, Ortsbeiratsmitglied, die sowohl persönlich ihre Bedenken gegen die Massenunterkunft benannte als auch ihren politischen Auftrag verstand. Sie wird sich in der Stadt KW als auch im Landkreis dafür einsetzen, dass 1. eine angemessene Quote für alle Teile der Stadt ermittelt wird, 2. angemessener Wohnraum zur Verfügung gestellt wird, jenseits von Massenunterkünften, und 3. die soziale und kulturelle Einbindung der Asylbewerber und ihrer Familien gelingen kann. Denn von Verkehrsmitteln, Einkaufsmöglichkeiten bis Kita, Schule, Arzt fehlt derzeit jede Infrastruktur, egal wie viele Asylbewerber kommen. Ein entsprechender Aufruf „Wir aus KW für eine moderne Willkommenskultur“ ging durch die Anwesenden und wurde mit einer spontanen Unterschriftensammlung bestätigt. Frau Ennullat erhielt diese Unterschriftenliste.