Sehr geehrte Stadtverordnete,
die jüngsten Beschlüsse zur Erweiterung des Wiesenhof-Standortes werfen aus unserer Sicht weiterhin erhebliche Fragen auf.
Bereits vor der Abstimmung hatten wir auf Unklarheiten in den Beschlussvorlagen hingewiesen. Die Antworten der Bürgermeisterin konnten diese Fragen nach unserer Auffassung nicht ausräumen. Trotzdem wurden die Vorlagen von der Mehrheit der Stadtverordneten beschlossen.
Besonders unverständlich erscheint uns, dass die neu eingebrachten Beschlussvorlagen inhaltlich nahezu identisch mit den vorherigen Fassungen waren. Warum dafür ein zusätzlicher Beratungsdurchgang notwendig war, bleibt für uns offen.
Im Kern geht es um die geplante nahezu Verdoppelung der Schlacht- und Verarbeitungskapazitäten von Wiesenhof. Dass ein Unternehmen wachsen und Gewinne steigern möchte, ist nachvollziehbar. Die Auswirkungen auf die Bürgerinnen und Bürger sowie auf Umwelt und Infrastruktur müssen jedoch ebenso berücksichtigt werden.
Kritisch sehen wir insbesondere, dass die Änderung des Flächennutzungsplans den bisherigen Bestandsschutz durch ein Sondergebiet ersetzt und damit eine erhebliche Expansion ermöglicht. Dabei befinden sich in unmittelbarer Nähe Wohngebiete, eine Grundschule, eine Kita und ein Wasserschutzgebiet.
Hinzu kommt, dass im laufenden Genehmigungsverfahren rund 8.700 Einwendungen gegen das Vorhaben eingereicht wurden. Diese hohe Zahl zeigt deutlich, dass es erhebliche Sorgen und Bedenken in der Bevölkerung gibt. Aus unserer Sicht hätte dieser Bürgerwille bei den kommunalen Entscheidungen stärker berücksichtigt werden müssen.
Offen bleibt außerdem die Frage, warum die möglichen Auswirkungen der Kapazitätserweiterung auf Mensch, Natur, Verkehr und Wasserhaushalt nicht umfassender dargestellt und bewertet wurden. Gerade bei einem Vorhaben dieser Größenordnung erwarten wir eine transparente und nachvollziehbare Abwägung aller Risiken.
Wir appellieren daher an die Stadtverordneten, die bisherigen Beschlüsse noch einmal kritisch zu überprüfen und die Interessen der Bürgerinnen und Bürger stärker in den Mittelpunkt zu stellen.
Gesine und Wolfgang Almus
OT Zernsdorf
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