Nachtrag zum MAZ-Wahlforum Landratswahl

6. Oktober 2023

Da auf der MAZ Dahmeland Leserbriefseite nur eine stark verkürzte einseitige Version abgedruckt wurde, reichen wir hier den kompletten Briefwechsel zwischen Frau Dr. Kreisel und Frau Rieckhof nach, damit man sich das komplette Bild machen kann. –red–

Betreff: Nachgereichte Frage zur gestrigen Veranstaltung
Datum: Wed, 13 Sep 2023 10:09:26 +0200
Von: Dr. Marina Kreisel
An: [email protected]

Sehr geehrte Frau Rieckhof,

mir war es gestern angesichts des vorgegebenen Reglements nur möglich, eine Frage an Sie zu stellen. Die folgende, mir sehr wichtige musste dort leider unterbleiben. Deshalb sende ich sie Ihnen auf diesem Wege nach, das mit Bitte um Antwort.

Sie führen Ihren Wahlkampf unter Begleitung von Spitzenpersonal aus Bundesregierung und Bundespartei (SPD). Das soll uns potenziellen Wählern ja etwas signalisieren, besonders wohl, über welche Verbindungen Sie „nach oben“ verfügen, aber Ihr bodenständiger Mitbewerber Sven Herzberger offensichtlich nicht. Da allerdings der Bundeskanzler und der SPD-Bundesparteivorsitzende Klingbeil für eine Politik massiver Aufrüstung stehen und verbreitet als Unterstützer eines fortgesetzten Ukraine-Krieges wahrgenommen werden, nehme ich an, dass Sie diese Politik uneingeschränkt mittragen (ansonsten hätten Sie wahrscheinlich auf die Begleitung Ihrer prominenten Parteifreunde verzichtet oder Anmerkungen zwecks Friedensdiplomatie der Bundesregierung u. a. angebracht). Ich kann folglich nicht erwarten, dass Sie wie etwa Karina Dörk (CDU), Landrätin der Uckermark, öffentlich partiell Kritik an der Bundesregierung üben und Veränderungen von ihr fordern, nicht zuletzt deshalb, weil die eingeleitete „Zeitenwende-Politik“ deutlich spürbare Schäden auch für den eigenen Landkreis bewirkt (von der Kriegsgefahr einmal ganz abgesehen). Ist diese meine Annahme zutreffend?

Ich behalte mir vor, meine Frage und Ihre Antwort öffentlich zu machen, gewissermaßen als Nachtrag zur gestrigen Frage-Antwort-Runde.

Mit freundlichen Grüßen –
Dr. Marina Kreisel

Am 25.09.2023 um 11:36 schrieb Susanne Rieckhof:

Sehr geehrte Frau Dr. Kreisel,

die von Ihnen genannten Politiker haben in unserem Landkreis ansässige Firmen besucht.
Herr Scholz und Herr Klingbeil haben sich, stellvertretend für viele weitere Firmen im Landkreis, Unternehmen angesehen, die für innovative Entwicklungen stehen.

Die Zuständigkeiten von Landrätinnen und Bürgermeistern im kommunalpolitischen Kontext sind Ihnen sicherlich bestens vertraut.
Wenn ich gewählt werde, werde ich meine Aufgabe als Landrätin innerhalb der gesetzlichen Vorgaben wahrnehmen.
Mein Hauptanliegen wird darin bestehen, in diesem Rahmen die Interessen der Einwohnerinnen und Einwohner zu vertreten.

Lassen Sie mich Ihnen abschließend versichern, dass ich keinerlei Sympathie für Kriege hege und mir ein baldiges Kriegsende wünsche.

Freundliche Grüße
Susanne Rieckhof

Am 27.09.2023 um 9:14 Uhr schrieb Marina Kreisel:

Sehr geehrte Frau Rieckhof,

ich danke Ihnen für Ihre Antwort. Sie bekräftigt mich in meiner Auffassung, Sie, eine Frau mit solider Ausbildung und umfänglichen Erfahrungen im öffentlichen Dienst, als Landrätin nicht zu wählen. Nur ein Punkt Ihrer Antwort sei in diesem Zusammenhang angesprochen, obwohl er vielleicht völlig nebensächlich erscheint: die „Entkleidung“ des Olaf Scholz und des Lars Klingbeil von ihren offiziellen Ämtern und ihre Verwandlung, ihre bloße Benennung als „Herr Scholz“ und „Herr Klingbeil“. Warum das? Wir beide vermögen wohl ein wenig mit Sprache umzugehen, bewusst, und wissen vermutlich: Diese von Ihnen vorgenommene „Etikettierung“ der beiden Männer ist nicht zufällig. Und wir wissen vermutlich ebenso, dass sowohl Olaf Scholz als auch Lars Klingbeil die ausgewählten Unternehmen in ihrer jeweiligen offiziellen Funktion besuchten (nicht als Privatpersonen, nicht als Herr Scholz und Herr Klingbeil). Zumindest lässt die Berichterstattung in den Medien aus meiner Sicht doch keine andere Interpretation ihrer dortigen Rolle zu?

Mit freundlichen Grüßen –
Marina Kreisel

© Foto mf