Kategoriearchiv: ORTSTEILE

SUMMERS END

14. September 2017

16. September 2017, ab 18 Uhr im Bürgerhaus Zernsdorf

Seit langem steht im Kulturkalender des Bürgerhauses Zernsdorf für den 16. September 2017 ein Event zum Sommerabschluss. Von vielen Seiten wird erwartet, dass, einer langen Tradition folgend und dem üblichen Zwei- Jahres-Rhythmus entsprechend, zu diesem Termin ein ERIC FISH & FRIENDS Konzert stattfindet. Die Akustik Band des Zernsdorfer Musikers Eric Fish legt allerdings 2017 eine geplante Spielpause ein. Dennoch wird Eric Fish federführend den Abend am 16.9.2017 organisieren. Veranstalter ist der Bürgerhausverein Zernsdorf e.V.
Unter dem Titel SUMMERS END werden zwei Bands auftreten, deren künstlerisches Potential über jeden Zweifel erhaben ist.

DELVA ist eine junge Band aus München, die sich um die 23 jährige Johanna Krins rankt. Johanna ist eine Germanistik
Studentin, deren Stimme jeden Hörer in ihren Bann zieht! Folkmusik der romantischen Spielart mit Ausflügen in die irische Folklore wird die Zuhörer begeistern. Johanna wird außerdem einige Songs mit Eric Fish zusammen singen, denn beide gehören einem neuen Musikprojekt an, welches im März 2018 die Welt erblicken wird.

DER TAGTRÄUMER ist ein Hamburger Liedermacher der alten Schule, welcher dem Volk auf’s Maul schaut und daraus seine Augen öffnenden, stimmungsvollen Lieder bastelt.

Als besonderes Highlight wird Eric Fish selbst, in einer nur an diesem Abend zu sehenden Sonderausstellung, seine Gemälde unter dem Titel NAIVE LIEDERMALEREI vorstellen. Dies wird erst das zweite Mal sein, dass die großformatigen Bilder des Künstlers in der Öffentlichkeit zu sehen sind.

Einlass wird 18.00 Uhr sein. Gegen 19.00 Uhr eröffnet der Veranstalter die Sonderausstellung und Eric Fish wird einige Lieder spielen, die thematisch zu den erstmals vorgestellten Bildern gehören. Jedes Bild ist als Fortsetzung eines bestimmten eigenen Songs zu verstehen.
Gleichzeitig soll dieses Fest an einem der letzten Sommerabende des Jahres ein Zeichen für den Zusammenhalt der Menschen unserer Region setzten.
Eintritt 10.00 €
Für Kinder unter 12 Jahren ist der Eintritt frei.

Lieber unbequem als angepasst

24. August 2017

Redaktion Stadtfunk

Priska Wollein, Mitglied der Stadtverordnetenversammlung Königs Wusterhausen und der Freien Wähler KW, gab in der letzten Woche der Märkischen Allgemeinen Zeitung ein Interview. Sie spricht über ihre Eindrücke und ihre Haltung zur Politik in unserer Stadt.

Hier zu lesen auf MAZ-Online.

Danke, Herr Hanke

19. August 2017

Matthias Fischer, Zernsdorf
oder

Demokratie geht anders.

Zu Gast im Wohnzimmer des Genossen Hanke, Ort des Geschehens diesmal Zernsdorf

Vor kurzem fiel mir in einem anderen Zusammenhang dieser Satz wieder ein: Überall, wo sich Demokratien für so demokratisch halten, dass sie meinen, sie brauchten keine Kontrolle mehr, entwickeln sich diktatorische Strukturen. Wer aber kann das wollen?

Ich sah das Spektakel ja schon zum zweiten Mal, also kannte ich die Texte. Nur führte diesmal nicht ein professioneller Moderator durch die vorbereiteten Texte, sondern Ortsvorsteher Uwe Bock. Borck war 2014 trotz der wenigen für ihn abgegebenen Wählerstimmen (an 9. Stelle in der Wählergunst) von Franzkes SPD eingesetzt worden, um für Ruhe hier vor Ort zu sorgen. Das ist offenbar gründlich misslungen, wie sich heute wieder zeigte.


Etwa 60 Bürger waren zur extra frisch ausgebaggerten Fläche an den Kaufhallen gekommen und standen davor auf der Straße

Der Kandidat konnte die teils gespannten, teils enttäuschten Gesichter seiner Gäste ja zum Glück nicht sehen. Aber er muss das Knistern gespürt haben, eine Atmosphäre von Streit, Missgunst untereinander und die Unzufriedenheit mit den Verhältnissen im Ortsteil. Denn seit langem herrscht hier Stillstand. Lieber reibt man sich untereinander auf, als einmal wirklich etwas zu bewegen und die Verhältnisse dem Grunde nach zu ändern. Als hätten wir hier nicht schon genug Probleme –Sandpisten, Lärm von Straßen und Flugzeugen, Gestank von mehr als einer Million Hühnern, ein Tanklager in Ortslage mit Schwerlastverkehr, fehlende Kitaplätze.

Nein, lieber schürt man den kleinlichen Streit zwischen verfeindeten Vereinen um einen Kühlschrank im Bürgerhaus, die fehlende Weihnachtsbeleuchtung oder Seezugänge. Der SPD soll’s Recht sein, genau damit erledigt Genosse Borck seinen Auftrag und erzeugt eine Pattsituation. Nicht ändert sich. Nichts rührt sich. Und das ist gut so.

Es war ein Lehrstück heute in Zernsdorf. Herr Borck ließ nur Fragen zu, die die Menschen vorher auf die ausliegenden Zettel geschrieben hatten. Damit meinte er, die Situation unter Kontrolle zu behalten, und seinem Genossen Hanke jede unvorhergesehene Frage zu ersparen. Zwei Tage zuvor in Wernsdorf war es dem Moderator noch gelungen, nach den vorher einstudierten und abgesprochenen Programmteilen mit dem Kandidaten die Bühne zu verlassen und die Gespräche zu dritt an einem der Stehtische fortzusetzen. Dezente Musik von der Bühne sorgte dafür, dass man wirklich unter sich war, man konnte auch vom Nebentisch dem Dialog nicht lauschen. Dabei gab es allerorts durchaus Fragen, die die Menschen zumindest im Gespräch untereinander stellten, so wie zum Beispiel, warum Georg Hanke nicht schon in seiner wichtigen Funktion als Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung in den letzten acht Jahren Gelegenheit genommen hätte, etwas an den Verhältnissen hier zu ändern. Mir ist Georg Hanke von den Stadtverordnetenversammlungen der letzten Jahre eher in seiner Rolle als lupenreiner Demokrat in Erinnerung geblieben, der sich ganz genau an alle Gesetze und Verfahren hält. Nur dass er manche Menschen eben etwas demokratischer als andere behandelte und dazu neigt, bei Leuten, die kritische Äußerungen machen, schon mal genauer auf die Ordnung zu achten als bei denen, die nach dem Munde reden. Pfiffige Bürger übten sich darin, ihr Redemanuskript an den Nächsten weiterzugeben, wenn der Vorsitzende auf die Redezeit pochte.

Auch heute wurde wieder ordentlich geübt. Borck verweigerte den Bürgern auch noch dann das Mikrofon für spontane Fragen, als einer seiner Genossen ihn dazu aufforderte. So brachte Borck diese Veranstaltung in gewohnter Routine über die Bühne. Georg Hanke ließ es geschehen.

Meine Replik dazu: Überall, wo sich Demokratien für so demokratisch halten, dass sie meinen, sie brauchten keine Kontrolle mehr, entwickeln sich diktatorische Strukturen. Wer aber kann das wollen?


Es lagen Zettel aus, auf denen man seine Fragen einreichen konnte

Gedanken eines Bürgers der Stadt Königs Wusterhausen zum Kommentar des Fraktionschefs „Wir für KW“ vor der Bürgermeisterwahl

14. August 2017

Wolfgang Almus, Zernsdorf

Ich lebe als Zugezogener seit mehr als 10 Jahren im Ortsteil Zernsdorf der Stadt Königs Wusterhausen. Angesichts der Lethargie, der Planlosigkeit und des Dilettantismus der Stadtverwaltung und der vielfältigen Probleme der an Einwohnern wachsenden Stadt verfolge ich selbstverständlich interessiert, wer für die Bürgermeisterwahl kandidiert und wer sich (auch von den Parteien im Stadtparlament) inhaltlich dazu äußert.

Schon bei der Lektüre der Überschrift des oben genannten Kommentars [1] des Herrn Reimann stellt sich mir die Frage, ob beim Fraktionschef des Wählervereins „Wir für KW“ alles in Ordnung ist. Ich will nicht darüber grübeln müssen, was sich Herr Reimann bei seinem „bunten Strauß von Möglichkeiten“ gedacht haben könnte (wenn er denn bei Formulierung dieser Überschrift überhaupt gedacht hat). Ich möchte gerne wissen, wie die Bürgermeister-Kandidaten die akuten Probleme der Stadt in den Griff bekommen wollen und was die in unserem Stadtparlament vertretenen Parteien dazu zu sagen haben. Dazu erfährt man nichts in dem Beitrag dieses Herrn.

Ergriffen lese ich dann in seinem „Kommentar“: „Vieles, was in KW im Argen liegt, ist Folge erfolgreicher … Entwicklung.“ Da reibt man sich die Augen und fragt sich, ob Herr Reimann beim Verfassen seines Kommentars gefiebert hat oder unter Drogen stand.

Die weitere Lektüre des „Kommentars“ von Herrn Reimann zu den Bürgermeister-Kandidaten ergibt, dass es sich bei dem Beitrag dieses Stadtverordneten schlicht um Wahlwerbung im Sinne von „Weiter so!“ für Herrn Hanke (SPD, Vorsitzender des Stadtparlaments) und Herrn Perlick (CDU, Stadtkämmerer und stellvertretender Bürgermeister) handelt. Beide „füllen“ diese Aufgaben seit vielen Jahren aus, schreibt er und meint dabei natürlich, dass die Beiden diese Aufgaben erfolgreich wahrnehmen.

Ist dem so? Nein, dem ist leider eben überhaupt nicht so!

• Wir Einwohner in den Ortsteilen der Stadt leben noch ein Vierteljahrhundert nach der Wende mit völlig vergammelten Schlagloch-Sandpisten wie in einem ganz armen Entwicklungsland. Die letzte Sandpiste wird erst 2027 auf Kosten der Anwohner zur Straße gemacht werden. Unser Stadtparlament hat trotzdem ausdrücklich die völlig unsinnige Straßenbauplanung der Stadt „abgesegnet“. Das verteuert den ohnehin teuren Straßenbau für uns Anwohner noch weiter.
• Es gibt kein vernünftiges Verkehrskonzept für die Ortsteile, in dem Fußgänger und Radfahrer angemessen Berücksichtigung finden. Obwohl sich erfreulicherweise viele Familien mit Kindern im Stadtgebiet niederlassen, gibt es z. B. keine sicheren Überquerungsmöglichkeiten stark befahrener Hauptstraßen in den Ortsteilen, keine Strecken mit Geschwindigkeitsbeschränkungen. Das ist lebensgefährlich für Kinder, Fußgänger (vor allem ältere) und Radfahrer.
• Es gibt keine vorausschauende Planung hinsichtlich der Erweiterung der Schulplatz- und Kitakapazitäten. Die Stadt reagiert immer erst dann, wenn Kita und Schule bereits „aus allen Nähten platzen“. Dann wird, wie z. B. jetzt in Senzig, eine Schule im „beschleunigten Verfahren“ geplant.
• Konkrete und zügig umzusetzende Lärmschutzplanungen für Anwohner an Bahnstrecken, an der A10, an stark frequentierten Hauptstraßen gibt es nicht usw. usw.

Gleichzeitig gönnt sich die Stadt mit ausdrücklicher Billigung unseres Stadtparlamentes den Bau eines super-teuren neuen Rathauses, gestaltet super-teuer das Bahnhofsumfeld in der Kernstadt neu, baut richtig teuer einen Hafen aus, den keiner braucht, usw. usw. Es werden Millionen an Steuermitteln in der Kernstadt investiert. Da bleiben für notwendige Investitionen in den Ortsteilen natürlich nur noch Brosamen übrig, selbst wenn es vernünftige Planungen gäbe. Die gibt es ja auch nicht!

Wer war für die Setzung dieser merkwürdigen Prioritäten in der nun ablaufenden Amtszeit des Bürgermeisters verantwortlich? Verantwortlich waren natürlich der Bürgermeister mit seinem Stellvertreter als politische Spitze der Stadtverwaltung und unser Stadtparlament. Was folglich der SPD-Kandidat Hanke und sein CDU-Kandidat Perlick nunmehr im Bürgermeister-Wahlkampf versprechen, hätten sie in den „vielen Jahren der Aufgabenausfüllung“ (lt. Herrn Reimann) längst angehen und umsetzen können. Das ist aber nicht passiert!

Die empörende Polemik des Fraktionschefs „Wir für KW“ gegen die Kandidatinnen der Linken/Grünen, der FDP und der UFL KW sowie gegen den Kandidaten der Freien Wähler sind letztlich nur Wahlunterstützung für den SPD- und CDU-Kandidaten im Sinne von „Weiter so“. Es wird tatsächlich so „weitergewurschtelt“ werden wie in den vergangenen acht Jahren, sollten der SPD- oder der CDU-Kandidat gewählt werden.

Jeder Wahlberechtigte muss folglich – entgegen der Polemik des Herrn Reimann – bei seiner Stimmabgabe bedenken:

• Wie sehen die konkreten Vorstellungen einer Kandidatin/eines Kandidaten aus, wie die Entwicklung der Stadt mit ihren Ortsteilen gefördert werden soll?
• Wer hat genügend Leitungserfahrung (zum Beispiel in Behörden, großen Unternehmen o. ä.), um sich gegen den starren Verwaltungsapparat unserer Stadt mit eigenen Vorstellungen überhaupt durchsetzen zu können? (Planlosigkeit, Dilettantismus und Bürgerferne der Stadtverwaltung haben schließlich der noch amtierende Bürgermeister und sein Stellvertreter, der CDU-Kandidat Perlick, über acht Jahre hinweg „mitgestaltet“. Unser Stadtparlament mit seinem Vorsitzenden und jetzigem SPD-Kandidaten Hanke hat das acht Jahre lang toleriert.)

Der Wählerverein „Wir für KW“ hat ja mit der SPD nunmehr koaliert. Eine solche Koalition ist nicht per se schlecht, aber angesichts der Zusammensetzung unseres Stadtparlamentes äußerst problematisch.

Ich bekenne: Bei der letzten Kommunalwahl habe ich meine Stimme an „Wir für KW“ vergeben, weil ich eine wirksame und engagierte Opposition im Stadtparlament für absolut unabdingbar erachtete.

Meine Empfehlung heute an Herrn Reimann lautet: Benennt euren Wählerverein um in „Wir für die SPD“ oder noch besser: Löst euren Verein gleich auf und tretet je nach Gusto der SPD oder der CDU bei. Das schafft für den Wahlbürger die nötige Transparenz.

Dem Stadtverordneten und Fraktionschef „Wir für KW“ Reimann sei gesagt:

Die Einwohnerzahl unserer Stadt Königs Wusterhausen wächst tatsächlich erfreulich. Sie wächst jedoch nicht, weil Stadtverwaltung/Bürgermeister und Stadtparlament so verantwortungsvoll für die Bürgerinnen und Bürger sorgen. Sie wächst, obwohl Stadtverwaltung/Bürgermeister und Stadtparlament an den Interessen ihrer Bürgerinnen und Bürger vorbei agieren.

Fazit für mich:
1. Bei der nächsten Kommunalwahl werde ich jedenfalls nicht mehr mein Kreuzchen bei „Wir für die SPD“ machen.
2. Und ganz sicher werde ich der Polemik dieses Herrn Reimann bei der Bürgermeisterwahl nicht verfallen!

[1] https://www.gt-worldwide.com/kategorie/thema/autoren-gastautoren-in-gt/autoren-r/michael-reimann/demut-vor-dem-amt-und-verantwortung-vor-den-buergerinnen-und-buergern.html#c43892

 

Die LINKE, der Superstar und die Stadt Königs Wusterhausen

6. August 2017

Matthias Fischer

Mich beschäftigt mehr als bei allen früheren Wahlen, wo ich denn bei der kommenden Bundestagswahl mein Kreuz machen könnte. Wofür ich bei der Bürgermeisterwahl stimme, ist wohl klar und hinlänglich bekannt, bei der Bundespolitik scheint mir die LINKE als einzige konsequente Friedenskraft sympathisch. Das wollte ich aber genauer wissen.
Bei meinem letzten Marktbesuch in Königs Wusterhausen hatte ich das Werbeplakat für eine Veranstaltung der LINKEN im KW-Eventcenter gesehen. Also machte ich mich gestern auf, selbige zu besuchen. Ein wenig spät gekommen, weil es in unserer Stadt keinen nennenswerten ÖPNV gibt und die Parkplatzsuche im Bahnhofsumfeld auch um diese Zeit noch schwierig war, fand ich im vollbesetzten Saal doch noch einen freien Platz, zwar in der äußersten Ecke, aber immerhin dritte Reihe. Da musste ich zum ersten Mal an einen Text von Tucholsky denken. Es gab zwar kein Freibier, aber auf jedem Sitz lag ein roter Kugelschreiber nebst einem nett aufgemachten Wahlprogramm.
Pünktlich zu Beginn nahmen die Protagonisten auf der Bühne Platz und wir durften lernen, dass es nicht allein um die Bundestagswahl ging, schließlich wählen wir ja am 24. September auch den neuen Bürgermeister in Königs Wusterhausen. So waren auf der Bühne eine Menge Leute vertreten. Der Bundestagskandidat der LINKEN im Wahlkreis 62 Carsten Preuß als Organisator der Veranstaltung hatte neben sich auf das Podium die von der LINKEN unterstützten Bürgermeisterkandidaten Gudrun Eichler (Königs Wusterhausen) und Sven Herzberger (Zeuthen) sowie den Brandenburger Minister für Justiz, Europa und Verbraucherschutz, Genosse Stefan Ludwig, geladen.
Da Superstar Gregor Gysi sich um 20 Minuten verspätete, gab es erst einmal eine Vorstellungsrunde der bereits anwesenden Protagonisten.
Carsten Preuß stellte sich sehr freundlich vor und zog einen kurzen politischen Bogen vom sogenannten „Diesel-Gipfel“ über seine Arbeit als Landesvorsitzender des BUND (unter anderem gegen die Privatisierung von Seen), sozialer Gerechtigkeit bis zur Friedenspolitik der LINKEN. Die Architektin Gudrun Eichler, Bürgermeisterkandidatin der Grünen in KW mit Unterstützung der LINKEN, gab danach bekannt, dass sie früher mal als Mitglied der LINKEN unter dem Namen Gudrun Ludwig bekannt gewesen sei. Außerdem sei sie die einzige Kandidatin, die sich auch um ein alternatives Konzept für den Hafen ausspreche. Offenbar hat sie das Wahlprogramm ihres Mitbewerbers Swen Ennullat (Freie Wähler KW) noch nicht gelesen… Etwas verblüfft war ich von ihrer Aussage, dass man als Bürgermeisterin einer Stadt mit fast 40.000 Einwohnern eigentlich keine Verwaltungserfahrung brauche. Wohin das führt, hat uns der derzeit hier regierende Sprachwissenschaftler acht Jahre lang aufgezeigt. Gudrun ist mir sehr sympathisch, ich wünsche ihr nicht, auf diesem Terrain ins Trudeln zu geraten.
Noch bunter wurde der Reigen bei der Vorstellung des Bürgermeisterkandidaten aus Zeuthen, er kandidiert nämlich für die LINKE, die FDP und eine Bürgerbewegung gemeinsam. Bei allem Verständnis dafür, dass es Unterschiede zwischen Bundes- und Kommunalpolitik gibt, kann ich mir nicht vorstellen, dass eine ausreichende Kongruenz der Interessen und Ideologien vorhanden ist, diese drei Richtungen durch ein und dieselbe Person zu vertreten. Auf jeden Fall gab sich Sven Herzberger, der immerhin Rechtsanwalt ist, kompetent und scheint ein netter Kerl zu sein. Angesichts der zur Wahl stehenden Alternativen wünsche ich ihm alles erdenklich Gute, möge er die Wahl gewinnen. Ich beneide ihn jedoch nicht um die Aufgaben, die in den nächsten Jahren auf ihn zukommen, denn noch mehr als unsere Stadt ist Zeuthen unabwendbar durch Lärm und Dreck von Flughafen und Eisenbahn betroffen, und noch schwieriger ist der Spagat zwischen Verdichtung, Infrastruktur und Lebensqualität in der Nähe von Flughafen und Berlin.
Ja und dann kam in der Überbrückung zum sehnlich erwarteten Gysi auch noch der Brandenburgische Minister der Justiz und für Europa und Verbraucherschutz Stefan Ludwig zum Zuge. Welche Rolle er in dieser Wahlkampfveranstaltung spielte, habe ich nicht so richtig begriffen, ich habe allein die Botschaft verstanden, dass es zurzeit ein Problem mit Gift in Eiern gibt und er auch schon einmal Bürgermeister von Königs Wusterhausen war. Jedenfalls durfte er auch auf dem Podium Platz nehmen.
Vielleicht lag es ja am stark geröteten Bühnenhintergrund, dass mir alle Kandidaten recht blass vorkamen.
Doch dann kam er endlich, der Superstar der LINKEN: Gregor Gysi. Und hielt eine seiner wirklich toll strukturierten und pointierten Reden, nach denen man die Weltpolitik und die Sicht der LINKEN wirklich begriffen und verinnerlicht hat. Heidrun Voigt von der MAZ [1] titelte kürzlich in derselben: „Gregor Gysi und die hohe Kunst der Rede“. Das trifft es wirklich. Und so fiel mir wieder der ältere aber leicht besoffene Herr von Kurt Tucholsky ein. Zumindest ich fühlte mich etwas besoffen gequatscht und ich gebe zu, trotzdem ich auf verschiedenen Kanälen schon baugleiche Reden von Gregor gehört hatte, gefiel mir das besser als der eingangs erwähnte Kugelschreiber.
Was dann jedoch kam, fand ich schwach – oder soll ich sagen enttäuschend? Gysi beendete seine Rede, nahm den Applaus entgegen, drehte sich um, gab Dame und Herren auf der Bühne die Hand und verließ in Begleitung seiner Bodyguards den Saal.
Sehr schade, dass es dem um die Leitung der Veranstaltung bemühten Bundestagskandidaten Carsten Preuß nicht gelang, die Dramaturgie weiter im Griff zu behalten, denn nach Gysi standen ca. drei Viertel der Anwesenden auf und gingen ebenfalls.
Denn ich und einige andere Anwesende hätten einige drängende Fragen gehabt und uns gewünscht, dass Gysi diese mit den anwesenden Kandidaten diskutiert hätte:
Ich hätte zum Beispiel wissen wollen, warum die LINKE in unserer Stadt eigentlich kaum mit eigenständiger Politik in Erscheinung tritt. Oder was die LINKE in Brandenburg nach den letzten Wahlen bewogen hat, in meinen Augen faktisch geschlossen der SPD beizutreten und damit eigenständige LINKE Politik aufzugeben. War es, um einige Funktionäre in Ministerämter zu bringen? Wird nicht damit bei den nächsten Landtagswahlen das Wahlergebnis der LINKEN nahe der Bedeutungslosigkeit sein? Sind es ein paar Minister ohne Gestaltungshoheit wirklich wert, auf eine eigenständige LINKE Politik zu verzichten und sich von einer starken Opposition und eigenem Profil abzukehren? Und nicht zuletzt: Was sagen Gregor Gysi und Carsten Preuß dazu, dass eines ihrer Parteimitglieder an der Seite der SPD in Königs Wusterhausen in den Bürgermeisterwahlkampf einsteigt, gar eine gemeinsame Fraktion mit der SPD bildet und damit seine Wähler betrügt, die ihn bei der Kommunalwahl 2014 in einer Bürgerbewegung wähnten? Kann man es nur damit abtun, dass Herr Reimann ein bequemer Wendehals ist, der immer nur nach dem strebt, was ihm die besten Vorteile bringt? Und der in der Hoffnung, unter einem Bürgermeister Hanke einen netten Posten, vielleicht ja den Vorsitz der SVV, zu ergattern, andere Kandidaten auf übelste Weise diffamiert?

Tja, Fragen über Fragen, noch immer offen nach einem Abend, von dem mir eine kurzweilige Rede von Gregor zwar im Gedächtnis bleibt, aber keine Antworten liefert.


Das Eventcenter KW war bis auf den letzten Platz besetzt


Kandidaten mit Wahlkampfhilfe des Ministers (v.l.n.r): Eichler, Ludwig, Herzberger


Gudrun Eichler, Bürgermeisterkandidatin


Stefan Ludwig, Justizminister


Der Star des Abends, Gregor Gysi


Kleine Geschenke auf jedem Platz
Alle Fotos © M8 Medien

Wie dreist ist das denn?

31. Juli 2017

Priska Wollein, Bürgerin von Königs Wusterhausen, Mitglied der SVV, Gründungsmitglied der Freien Wähler KW
Antworten auf Michael Reimann (*)

Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß… Ja, Herr Reimann, in Ihrer Rolle als Verwandlungskünstler sind Sie wirklich unübertroffen! Erst bei der Linken ausgetreten, passte nicht mehr so ganz das Programm – aber nur halb, denn in der europäischen Linken und in Marzahn scheint das Programm ja noch in Ordnung, dann als schönes Blendwerk eine Bürgerbewegung gegründet, die angetreten ist, um das Verwaltungshandeln zu überprüfen und dem Bürgermeister ein Korrektiv entgegenzustellen. Diese angebliche Bürgerbewegung diente aber wohl letztlich nur dazu, keinen anderen »Keim« an Bewegung unter den Menschen hier sprießen zu lassen, der es ernst meinen könnte mit Kritik, Veränderung und Wandel in dieser Stadt und in dieser Politik.

Der Coup ist Herrn Reimann auch gut gelungen, damals zur Kommunalwahl 2014. Ich selbst bin, na sagen wir mal drauf reingefallen und dachte, dass es bei der Wählergemeinschaft um Themen und Inhalte ginge… voll engagiert, fand ich mich mit einigen Genossen (das Wort haben die Linken sicher nicht geschützt, oder?) nach 2,5 Jahren wieder »draußen«. Stein des Anstoßes: Unbeliebte Meinungen und Menschen sollten ausgeschlossen werden (bzw. deren Aufnahme im Nachhinein entgegen allem Anstand abgelehnt werden), ich war im Vorstand damals und wollte unehrliche und scheinheilige Machenschaften nicht dulden. Einige akute Themen, die mir besonders am Herzen liegen (insbesondere Umwelt, Lebensraum und Tierschutz betreffend), wurden damals schon unter den Teppich gekehrt, ausgesessen oder auch mal ein Antrag im letzten Moment zurückgezogen. Im Nachhinein ist vieles klarer – ein Vorsitzender einer Bürgerbewegung, der mit vollen Segeln zur Regierungspartei (SPD) übersetzt, hat ganz sicher immer schon alles darangesetzt, ebendieser Partei beziehungsweise einem System zuzuarbeiten.

Die Wählerinnen und Wähler, die bei den Kommunalwahlen »Wir für KW« gewählt haben, taten dies in erster Linie, um eine Kontrolle des politischen und Verwaltung-Handelns in KW zu erreichen, um Steuerverschwendung und Fehlentscheidungen auf die Schliche zu kommen – und nicht, damit in einer einzigen Eintopf-Koalition von SPD-CDU-WIRFÜRKW-LINKE hier in KW alles so bleibt, wie es ist.

Dies also nenne ich Wählerbetrug! Michael Reimann warf mir übrigens genau das Gleiche in aller Öffentlichkeit vor – vor einem Jahr, als ich mit dem Erkennen dieser Manöver „Wir für KW“ verließ und mein Mandat in der Stadtverordnetenversammlung behielt, um meinem Wählerauftrag treu zu bleiben. Ein Glück. Damit ist der SVV zumindest ein Sitz einer echten Opposition erhalten geblieben.

Ob sich unsere Stadt KW so erfolgreich entwickelt hat in den letzten 25 Jahren, wie Herr Reimann schreibt, ist doch eher eine Frage der Perspektive. Wenn man an einer Sandstraße wohnt, die in schlimmerem Zustand als eine Piste in Namibia im Hinterland ist, wenn man seine Ausbildung nicht zu Ende bringen kann, weil man fürs Kind keinen Kitaplatz bekommt, wenn man tagtäglich den Gestank von Wiesenhof ertragen muss oder das Brummen von bis zu 100 LKW aus dem Tanklager vor der Haustür, wenn man ganz allein auf weiter Flur steht im Kampf gegen unsinnige Windkrafträder im Wald, wenn man einen Millionenschweren Hafen mitten im Herzen der Stadt dahindümpeln sieht, wenn man sich das Schauspiel einer Stadtverordnetenversammlung ansieht… ja dann hat man vielleicht eine andere Perspektive von »Erfolg«.

Und dass nun zwei Personen von Wir für KW bei der SPD einen Sinneswandel bewirken könnten –  das grenzt ja schon fast an Größenwahn. Ich zitiere: »Fraktion und SPD in KW teilen unsere Auffassung, dass unsere Stadt dringend einen neuen Politikansatz braucht, der ihre Entwicklung komplex vorantreibt und nicht, wie bisher, mal hier und mal dort Entwicklungen isoliert vorantreibt.« Da frag ich mich doch völlig konsterniert: »neuer Politikansatz«? – Durch den Austausch eines SPD-Genossen durch einen anderen, der immer schon Teil desselben Systems war und alles mitgehört, mitgewusst und mitgetragen hat? Und dann noch »Entwicklung der Stadt komplex vorantreiben«? Warum denn nicht mal einfach, ehrlich und direkt vorantreiben? Komplex hatten wir jetzt mehr als 8 Jahre, das wurde alles so komplex behandelt, dass wir nun ohne ausreichend Schulen, Kitas, Gemeinschaftshäuser, Feuerwehren etc. dastehen. Dafür mit noch immer annähernd 50km Sandpisten.

Herr Reimann will uns nun also eine breite Allianz schmackhaft machen, das ist schon absurd… es ist nämlich die Rede von derselben Allianz derer, die in den letzten Jahren den Karren im Sand haben stecken lassen! Die Allianz einer SPD mit Mehrheit im Stadtparlament, die bislang den Bürgermeister (Franzke) und den SVV-Vorsitzenden (Hanke) stellte, die einer CDU, die den Kämmerer (Perlick) stellte und die einer angeblichen Bürgerbewegung Wir für KW, die alle echten Alternativen inklusive grüner Bewegungen absorbierte und kaltstellte.

In einem stimme ich mit Reimann und seinem Artikel daher vollumfänglich überein (ich zitiere): »Wir meinen daher, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann und soll!«

Bei seinem »Angebot« eines Bonners, der für die Probleme vor Ort keine Augen und Ohren hat, und eines Pfennigzählers, der nicht den Mund aufbekommt, könnte ich mich jedenfalls nicht entscheiden. Chancen, sich unter Beweis zu stellen, hatten diese beide Kandidaten in ihren Funktionen reichlich. Nur haben sie es eben nicht geschafft. Warum sollten sie es nach dem 24.9. schaffen? Nenne einer ein vernünftiges Argument. Nein, es geht um etwas ganz Anderes: es geht darum, alle Vorgänge und Muster in der Verwaltung von KW so zu belassen, wie es ist. Zu viel wäre aufzudecken, zu viel liegt im Argen, dass man nun das Feld einem »Fremden« überlassen könnte. Noch dazu einem, der ganz richtig konsequent aufklärt und Ehrlichkeit in seinem Wahlprogramm führt!

Ja richtig, Sie meinen Herrn Swen Ennullat. Der nicht nur Polizist, sondern Kriminalrat war, der Verwaltungsrecht studiert und seinen Master darin erworben hat, der ein großes Amt im Nachbarkreis Teltow-Fläming leitet und neben drei eigenen Kindern auch Vormund für etwa 100 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ist. Der überdies die Verwaltung von KW fast zwei Jahre lang von innen kannte und von vielen Angestellten heute noch mit freundlichem Handschlag begrüßt wird… soso, also ein »abgedienter Schlaphut-Polizist« ist Herr Ennullat, ist das nicht Diffamierung in Reinform, Herr Reimann?

(*) Beitrag von Reimann in GT am 29. Juli 2017

Parteien-Eintopf

30. Juli 2017

Ein Kommentar von Matthias Fischer
So geht also Wahlkampf in Königs Wusterhausen

Überall, wo sich Demokratien für so demokratisch halten, dass sie glauben, sie brauchten keine Kontrolle mehr, entwickeln sich diktatorische Strukturen. Wer aber kann das wollen?

Man lese und staune: Ein SPD-Kandidat, der von einer »unabhängigen Wählergemeinschaft« (Wir für KW) unterstützt wird, ja sogar eine Fraktion bildet mit einer Gruppierung, deren Vorsitzender Mitglied der LINKEN ist – dabei aber auch noch eine »Kooperation« mit der CDU betreibt; eine gemeinsame Kandidatur von Grünen und LINKE; eine Frau, die als Mann für die FDP antritt und noch kürzlich Fraktionsvorsitzende der LINKEN war… – Politik in KW lief und läuft immer schon etwas anders ab, als sich der unbefangene Bürger das vorstellen kann.
Dies zeigt nur zu deutlich: es geht den etablierten Parteien in diesem Wahlkampf vor allem um eines: dass alles so bleiben möge, wie es ist. Ob nun ein Herr Perlick (CDU) Bürgermeister wird oder ein Herr Hanke (SPD) unter ihm, macht ja nicht den Unterschied. Im Gegenteil: das hatten wir in Königs Wusterhausen immer schon so. Daher finden auch gemeinsame Fraktionsbesprechungen der beiden Schwergewichte SPD und CDU statt, wo man seine Positionen miteinander abstimmt und nach außen hin vertritt. Da werden ein paar Wochen vor der Wahl Koalitionen gegründet, die auch mich sprachlos lassen: Wir für KW – angetreten und gegründet unter anderem zur Durchsetzung einer Politik zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger und zur Kontrolle des Verwaltungshandelns – geht eine Fraktion mit der SPD ein, um künftig unter einem SPD-Bürgermeister möglicherweise mit Reimann den Vorsitzenden der SVV zu stellen.
Und die Opposition? Das Korrektiv? Die Hinterfragenden? Da müssen wir schon mal genauer hinsehen: es gibt zwei Abgeordnete der AFD, die wir beinahe nie bei einer öffentlichen Äußerung vernehmen konnten, und es gibt einen Abgeordneten der Piraten, der ebenfalls noch nicht stimmlich vernehmbar wurde und daher können wir leider auch nichts über deren politische Arbeit bekunden. NPD – wer war das noch? In KW nicht sichtbar, aber angeblich vorhanden.
Schlussendlich – Von der LINKEN muss man eigentlich nicht reden, denn die braucht in Königs Wusterhausen keine eigene Meinung – auch wenn sie sogar manchmal einen Justizminister in ihren Reihen in der SVV sitzen hat. Denn sie ist sowieso meist mit der SPD einig, die ja wiederum mit der CDU… na, Sie wissen schon. Friede, Freude, Eierkuchen. Und das darf ruhig weiter so bleiben aus der Sicht der Eintopf-Parteien.
Wer also steht dann noch dafür, unbequeme Fragen zu formulieren – und klare Antworten auf die Fragen der Bürger zu geben? Nachvollziehbar und sachlich im Sinne der Bewohner unserer Stadt zu agieren? In jeder Beziehung ehrlich zu sein – im Umgang mit Mitarbeitern, Bürgern und ihren Steuergeldern? Dazu braucht es keinen politischen Eintopf, dazu braucht es politische Auseinandersetzung, das Gewichten von Argumenten, sachliche und fachliche Diskurse, Opposition. Viele bleiben da nicht übrig, und mir fallen im Moment nur zwei Einzelkämpferinnen ein, die auch etwas zu sagen haben… Birgit Uhlworm für die UFL und Priska Wollein, parteilos, beide SVV-Mitglieder.
Denn überall, wo sich Demokratien für so demokratisch halten, dass sie glauben, sie brauchten keine Kontrolle mehr, entwickeln sich diktatorische Strukturen. Wer aber kann das wollen?

Autorenfoto: (c) SAH-Photo Simone Ahrend

Der Wiesenhof diskreditiert sich selbst – Eine Replik

30. Juli 2017

Andreas Rieger, Architekt, BI KW stinkt's, Kreisvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen Dahme-Spreewald

 Am 25. Juli 2017 erscheint im KW-Kurier ein Artikel von Michael Reimann mit dem Titel “Wiesenhof wird diskeditiert“[1]. Wer den Artikel liest, könnte zur Auffassung kommen, dass es sich um einen anderen Betrieb handelt und nicht um denjenigen in Niederlehme, der in letzter Zeit immer wieder mit Schlagzeilen für Aufmerksamkeit sorgte.

 Am 20. Juni 2017 hat Minister Vogelsänger (SPD) die Teilstillegung des Wiesenhofbetriebes in Niederlehme angeordnet[2][3]. Das Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft (MLUL) ist nicht gerade dafür bekannt, Großbetrieben im Lande das Leben schwer zu machen. Doch in diesem Fall waren die Verstöße der Märkischen Geflügelhof-Spezialitäten GmbH gegen die gesetzlichen Bestimmungen und Verordnungen zu gravierend, um eine illegale Kapazitätserweiterung weiterhin zu dulden.

 Man kann lange über die gesundheitlichen Risiken der industriellen Tierproduktion und ihre Gefahren für die Umwelt und unsere Gesellschaft debattieren. Auch über die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Massentierhaltung und Ihrer Produktionsbedingungen mit Einsatz von Antibiotika und Desinfektionsmitteln, fragwürdiger Futterproduktion, Gülle- und Kotentsorgung, die unser Wasser, unsere Böden und letztendlich auch unsere Gesundheit belasten. Verschwiegen werden sollten auch nicht das Leid der Tiere und die schlechten Arbeitsbedingungen, die derartige Betriebe bieten. Das sind aber alles Dinge, die unsere Gesellschaft in einer politischen Debatte ausfechten muss: Welche Ernährung, welche Wirtschaft wollen wir? Und das wiederum sind keine technischen, sozialen oder wirtschaftlichen Fragen, sondern das sind kulturelle Fragen: Welche Gesellschaft wollen wir? Dieses wäre eine höchst spannende und ist in Bezug auf oben genannte Themen eine letztendlich von den Protagonisten der Massentierhaltung selbst befeuerte Debatte.

 Kern des Skandals im Schlachthof Niederlehme ist aber ein anderer Aspekt:

 Wie im Antragsverfahren zur Kapazitätserweiterung jetzt endgültig ans Licht kam, erweitert Wiesenhof schon seit Jahren seinen Betrieb, ohne jedoch die erforderliche Bundesimmissionsschutzrechtliche Erlaubnis hierzu zu besitzen. Wiesenhof verstößt seit Jahren gegen Gesetze und Verordnungen zu Lasten der Anwohner, der Umwelt und letztendlich zu Lasten aller Bürgerinnen und Bürger von Königs Wusterhausen. Jeder private Bauherr oder Betreiber eines kleinen Geschäftes hätte schon längst einen Bußgeldbescheid erhalten oder seine Betriebserlaubnis entzogen bekommen, hätte er getan, was sich Wiesenhof mit seiner Konzernmacht und seinen Anwälten erlaubt.

 Warum hat Wiesenhof nicht von Beginn an einen entsprechenden Antrag auf Kapazitätserweiterung gestellt? Das dürfte jetzt klarwerden, nachdem von Betroffenen aus Niederlehme und Neue Mühle immer neue Verstöße und Unstimmigkeiten öffentlich gemacht wurden: Der Konzern, der 1990 das Kombinat Industrielle Mast (KIM) übernahm, scheut das Licht der Öffentlichkeit und vermeidet Transparenz. Das gipfelte im Erörterungstermin in der Aussage des Wiesenhof-Rechtsanwaltes Dr. Hentschke: „Sie haben kein Recht auf eine Antwort.“

 Stattdessen verfolgt der Konzern eine Salamitaktik mit Genehmigungen und Anträgen, die mal mehr oder weniger gewissenhaft umgesetzt werden. Auch Havarien behebt er erst auf massiven Druck von außen. So sickern immer wieder über längere Zeit Abwässer aus dem Schlachtbetrieb ungeklärt im umgebenden Wald im Trinkwassereinzugsgebiet, eines Wasserschutzgebietes der Wasserwerke Königs Wusterhausen. Im Herbst 2016 hoffte der Konzern mit einem schlampig formulierten Antrag auf Kapazitätserweiterung gemäß Bundesimmissionsschutzgesetz durchzukommen. Jetzt wurde klar, dass die Baugenehmigungen und die wasserrechtliche Genehmigung auf Entnahme von bis zu 1,5 Millionen Liter Wasser pro Tag in unmittelbarer Nähe des Trinkwassereinzugsgebietes in Zusammenhang mit einer bereits erfolgten Kapazitätsausweitung standen. Darauf musste das Ministerium reagieren und die Teilstilllegung anordnen. Daher ist klar, dass der Konzern selbst hierfür verantwortlich ist und entweder bewusst mit unlauteren Methoden seinen Betrieb erweitert hat oder seinen Laden reichlich unprofessionell führt. Ein Betrieb, der auf einem solchen Niveau arbeitet, ist für Königs Wusterhausen sicher kein Gewinn.

 Warum die Hälfte der Beschäftigten Werkvertragsarbeiter sind, hat einen einfachen Grund: Ihnen kann einfacher gekündigt werden. Es ist klar, dass diese Arbeiterinnen und Arbeiter nie ein Wort über schlechte Arbeitsbedingungen verlieren werden, denn dann sind sie ihren Job los. Und offensichtlich hat Herr Reimann die Gründe für die Werkverträge auch nie hinterfragt, kein Wort in seinem Artikel.

 Wenn sich Herr Reimann jetzt bei einem Besuch des Schlachtbetriebes vom Geschäftsführer offensichtlich einlullen lässt und das Hohe Lied prekärer Arbeitsplätze und billiger Lebensmittel singt, dabei auch noch dem Landwirtschaftsminister seiner neuen Kooperationspartner in der Stadtverordnetenversammlung in den Rücken fällt, hat das nur einen Grund: Bürgermeisterwahlkampf in Königs Wusterhausen[4]

PRESSEMITTEILUNG: Kein Unrechtbewußtsein vorhanden?

25. Juli 2017

Freie Wähler KW

Königs Wusterhausen, 25. Juli 2017

Freie Wähler Königs Wusterhausen kritisieren Wahlkampfhilfe der SPD

Am 15.07.2017 berichteten die Potsdamer Neuesten Nachrichten erstmalig über das Engagement des SPD-Bildungsstaatsekretär Drescher im Zusammenhang mit Wahlkampfauftritten in den Gemeinden Zeuthen und Bestensee, um dort die Bürgermeisterkandidaten seiner Partei zu unterstützen.

Parteiübergreifend wurde danach kritisiert, dass der Bildungsstaatssekretär Drescher die gebotene Neutralität eines Beamten eindeutig missachtet habe.

Péter Vida, MdL der Landtagsgruppe BVB/Freie Wähler sah darin sogar ein generelles Problem. Dreschers Wahlkampfhilfe für die SPD in Dahme-Spreewald „reiht sich ein in ein jahrelanges Verhaltensmuster der SPD in Brandenburg, bei dem Staat und Partei ständig vermischt werden“, sagte Vida. „Das ist unerträglich. Damit muss Schluss sein. Entweder hat die SPD kein Unrechtsbewusstsein oder sie macht es systematisch.“

Noch unbekannt scheint indes zu sein, dass Herr Drescher bereits am 06.06.2017 seinem Parteifreund Georg Hanke in Königs Wusterhausen auf gleiche Weise unter die Arme griff. Die SPD KW spricht auf Ihrer Homepage explizit davon, dass die Einladung durch den „Vorsitzenden des SPD-Bürgermeisterkandidaten“ Georg Hanke erfolgte.

Auch die Freien Wähler Königs Wusterhausen kritisieren ausdrücklich das Verhalten der SPD und des Bildungsstaatssekretärs. Dazu Swen Ennullat, Bürgermeisterkandidat der Unabhängigen Wählergemeinschaft: „Georg Hanke hätte es besser wissen müssen, ist er doch selbst verbeamteter Staatsdiener. Das Verhalten der SPD passt aber in Ihr jahrelanges Agieren hier vor Ort. Herrn Hanke und Herrn Drescher fehlt es offensichtlich nicht nur an der notwendigen Sensibilität für dieses Thema, sie beschädigen auch die Ämter, die sie innehaben oder die sie erlangen wollen. Zumindest Georg Hanke sollte deshalb die politische Verantwortung übernehmen und von seiner Kandidatur zurücktreten. Alles andere wäre genauso unglaubwürdig wie das jetzige Agieren des Staatssekretärs.“

Konzert in Niederlehme

4. Juli 2017

Redaktion Stadtfunk

Der amerikanische Gitarrist Dan Lippert und die Sängerin Nani Füting geben in der Niederlehmer Kirche am Sonnabend, dem 22. Juli 2017, um 18 Uhr ein Konzert.
Der Eintritt ist frei, eine Spende für den Erhalt der Kirche erbeten.
Es werden Stücke von Johann Sebastian Bach, Reiko Füting und Franz Schubert aufgeführt